Berlin Noch vor wenigen Jahren war die Delegation ärztlicher Leistungen an medizinisches Fachpersonal für viele Ärzte und Patienten undenkbar. Mittlerweile wird das Thema „Übertragung von Heilkunde“ von Medizinern gelassener diskutiert. Auch chronisch kranke Patienten zeigen sich aufgeschlossen, wie eine aktuelle Umfrage des Gesundheitsmonitors von BARMER GEK und Bertelsmann-Stiftung belegt.

Erstmals präsentiert wurden die Ergebnisse heute am Rande eines Kongresses zum Einsatz arztentlastender Fachkräfte in Berlin. Demnach signalisierten insgesamt 63 Prozent der Befragten generelle Bereitschaft, sich von Angehörigen anderer Gesundheitsberufe anstelle eines Arztes versorgen zu lassen. In der Gruppe von Versicherten, die bereits erste Erfahrungen mit der medizinischen Betreuung durch nichtärztliche Gesundheitsfachkräfte sammeln konnten, lag die Bereitschaft sogar bei 79 Prozent. Ein Gros der Befragten, nämlich 62 Prozent, geht davon aus, dass dadurch die Wartezeiten „auf jeden Fall oder wahrscheinlich“ verkürzt werden (bei Befragten mit Erfahrungen sogar 72 Prozent).

Mit Blick auf dieses Votum forderte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker noch mehr Offenheit von der Ärzteschaft: „Selbstverständlich wird der Arzt zentraler Akteur im Gesundheitswesen bleiben. Allerdings müssen Ärzte und Patienten mehr Vertrauen in die Fähigkeiten anderer gut ausgebildeter Heilberufe setzen.“ Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und regionaler Versorgungsengpässe sollten die nichtärztlichen Gesundheitsberufe konsequent aufgewertet und die Delegationsregelungen systematisch ausgeweitet werden. Schlenker: „Arzt und Agnes, wir brauchen beide.“

Tatsächlich wird die Akzeptanz einer Übertragung ärztlicher Leistungen maßgeblich von Erfahrungen beeinflusst. So wird die Behandlung durch qualifizierte Gesundheitsfachkräfte im Vergleich zur Behandlung durch den Arzt von Befragten mit entsprechenden Erfahrungen überwiegend positiv bewertet. Besonders gut schneidet die Ausführlichkeit der Beratung ab, die von 49 Prozent als gleich gut und von 43 Prozent sogar als besser bewertet wird. Ähnlich positiv sehen die Patienten das „Eingehen auf Fragen und die Verständlichkeit der Information“. Hier erleben 57 Prozent die Gesundheitsfachkräfte als gleich gut, 31 Prozent sogar als besser.

Für die Befragung ausgewählt wurden Versicherte aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die Diagnosen zu Diabetes, Hypertonie oder chronischen Wunden aufwiesen. Für Patienten mit diesen Krankheitsbildern dürfen delegationsfähige Leistungen im Rahmen von Modellvorhaben erbracht werden. Insgesamt erhielten 1.817 Versicherte den Fragenbogen, unterteilt in eine 817-köpfige Gruppe mit Erfahrungen zur Behandlung durch nichtärztliches Fachpersonal und eine Kontrollgruppe mit 1.000 Frauen und Männern ohne solche Erfahrungen. 834 Fragebögen waren letzten Endes auswertbar (= 46 Prozent).

Quelle und weitere Information: Barmer GEK