Berlin Es kann immer und überall passieren: Plötzlich bricht ein Mensch zusammen und bleibt reglos am Boden liegen. In solchen Momenten ist Erste Hilfe lebenswichtig, doch nur Wenige trauen sich – weil sie sich nicht mehr an das Gelernte aus ihrem Erste-Hilfe-Kurs erinnern und nun Angst haben, etwas falsch zu machen. „Dabei kann jeder mit einer Herzdruckmassage Leben retten“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER GEK.

Nerven bewahren und den Notruf wählen – das ist die wichtigste Erste-Hilfe-Regel überhaupt. Doch bis zum Eintreffen des Notarztes können einige Minuten vergehen. Entscheidende Minuten, denn laut Statistik sinken die Überlebenschancen bei einem Herzstillstand mit jeder Minute, die ohne Hilfe verstreicht, um etwa zehn Prozent. Wird allerdings schnell Hilfe geleistet, steigen die Chancen, dass der Betroffene ohne schwerwiegende Folgeschäden überlebt, um 30 bis 60 Prozent.

Herzdruckmassage wichtiger als Beatmung

Zunächst sollte man überprüfen, ob überhaupt ein Kreislaufstillstand vorliegt. „Zuerst den Bewusstlosen laut ansprechen und auch kräftig an den Schultern schütteln. Reagiert er nicht, sollte umgehend eine weitere Person zu Hilfe gerufen werden“, so Marschall. Danach sollte der Helfer …

  • … den Bewusstlosen auf den Rücken und eine möglichst harte Unterlage legen, sowie nach möglichen Atembewegungen oder -geräusche suchen. Sind keine vorhanden, muss der zweite Helfer sofort den Notruf alarmieren.
  • … sich dicht neben die bewusstlose Person, etwa auf Brusthöhe, knien und unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Dazu wird ein Handballen auf die Mitte des Brustbeins, der anderen Handballen auf die erste Hand gelegt. Nun die Ellenbogen durchdrücken und sich aufrichten, so dass sich die Schultern senkrecht über den Händen befinden – so lässt sich die Kraft am besten übertragen.
  • … jetzt das Brustbein mindestens 100-mal pro Minute etwa fünf bis sechs Zentimeter nach unten drücken. Eindrücken und Loslassen sollten im gleichen Tempo erfolgen. Ein idealer Taktgeber ist der Refrain des Liedes „Staying Alive“ von den Bee Gees. Wer diese Melodie mit 103 Schlägen pro Minute im Kopf hat, drückt in etwa mit der richtigen Frequenz.

Etwas falsch macht nur, wer gar nichts macht

Zwar kann eine Herzdruckmassage das Herz nicht wieder zum Schlagen bringen. Aber sie erhält einen Minimalkreislauf des Blutes aufrecht. „Die Herzmuskeln leiden schon in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand unter Sauerstoffmangel, der durch den Stillstand des Kreislaufes entsteht. Deshalb ist die Herzdruckmassage am Anfang auch wichtiger als die Beatmung, erklärt Marschall.

Quelle: Barmer GEK