Hamburg Manchmal ist es aber auch verrückt – man stelle sich mal vor, man hat die Idee, Seniorenwohnungen mit besonderem Flair zu bauen und der Vorgarten ist zu klein. Nicht möglich? Doch, gerade in Hamburg Schnelsen genau so passiert. Das Bezirksamt Eimsbüttel verweigert einer Familie die Genehmigung, weil der Vorgarten zu klein sei für benötigte Stellflächen.

Viel Grün und Natur gibt es hier am Rand zu Schleswig-Holstein. Dies war der Grund für Andrea B. sich mir ihrem Mann genau hier niederzulassen. Sie kauften gemeinsam ein Grundstück und bauten ein Haus. Im Garten ist sogar Platz für ein kleines Gehege. Enten, Hühner und Kaninchen findet man hier. Familie B. hat so großzügig gebaut, dass neben der Familie noch genug Platz für den eigenen Pflegedienst nebst Büroräumlichkeiten ist. Andrea B. betreute mit ihrem Pflegedienst zwei Servicewohnanlagen und kennt die Situation – Servicewohnungen sind rar und die Wartezeiten nicht selten 10 Jahre berichtet sie dem Hamburger Abendblatt.

Aktuell leben ca. 420.000 Menschen in Hamburg die älter sind als 60 Jahre. Somit ist nahezu jeder Vierte bereits „Senior“. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde, so das Blatt weiter, gebe es aktuell 130 Wohnanlagen mit ca. 10000 Servicewohnungen für Senioren. So waren es diese Fakten die Andrea B. zu der Überlegung brachten, das Nachbargrundstück zu kaufen um dort ein dreistöckiges Wohnhaus mit Servicewohnungen zu errichten. Zwischen 41 und 57 Quadratmetern sollen die Apartments groß sein. Die Aufteilung der eineinhalb Zimmer ist „amerikanisch“. Ein großes Zimmer mit Küchenzeile und ein Schlafzimmer, Bad und Toilette.

Natur purPflegebedürftigkeit sei keine Voraussetzung für den Einzug, sagt Andrea B. „Uns ist es wichtig, dass die Menschen sich draußen in der Natur wohlfühlen und sich an Tieren nicht stören.“ Allerdings – das war für die Förderung des Projekts durch Steuergelder nötig – müssen die künftigen Bewohner älter als 60 Jahre sein und einen Wohnberechtigungsschein besitzen. Damit ist klar, dass hier kein Luxusdomizil entstehen wird. So unterzeichnete die Finanzbehörde im Dezember eien Vorvertrag, in der Familie B. das Recht eingeräumt wird, dass Nachbargrundstück zu erwerben. Jedoch wurde hieran die Bedingung geknüpft, dass hier wie geplant 10 altersgerechte Wohnungen entstehen – schließlich geht es ja auch um Steuergelder. Das Wohnprojekt sollte rund 1,3 Millionen Euro kosten, die Kredite sind bereits bewilligt.

Gebaut wurde derweil noch nicht. Das Bezirksamt verweigert die Baugenehmigung, da die Bauordnung einerseits vorschreibt, dass bei einem derartigen Gebäude drei Stellplätze und eine Aufstellfläche für die Feuerwehr geschaffen werden muss. Auf der anderen Seite dürfen jedoch lediglich 30 Prozent des Vorgartens versiegelt werden. Das Problem ist nun, dass die Fläche für Stellplätze und Feuerwehr etwa 50 Prozent des Vorgartens ausmachen würden. Doch selbst die Idee Rasengittersteine als Versiegelung zu nutzen, stieß nicht auf Gegenliebe. Vielmehr unterbreitete das Bauamt Familie B. den Vorschlag, eine Durchfahrt zu planen und die Stellplätze im Garten entstehen zu lassen. Dafür müssten jedoch fast 50% im Vorgarten versiegelt werden. Aber da war doch was? Eben, nur 30% sind erlaubt. Zudem gehöre die Auffahrt verwaltungstechnisch zum Gebäude und würde das Projekt um einiges verteuern.

Doch neben den Mehrkosten ist für Andrea B. eines noch viel entscheidender: Der Lärm der durch die Durchfahrt bzw. Stellplätze entstehen könnte. Das Konzept sieht eigentlich Ruhe und Natur und zudem keinen Wendehammer wie vom Bauamt vorgeschlagen vor.

Jetzt ist Eile geboten. Familie B. hat ein Vorkaufsrecht bis zum Juni diesen Jahres. Die Bereitstellungszinsen können sie schon nicht mehr tragen, eine Einigung scheint so schnell nicht in Sicht. Schade, wenn man es doch gut meint mit seiner Idee der Servicewohnungen und dann selbst im hohen Norden neben Steinen sogar gefühlte Berge in den Weg gelegt werden. Wir drücken die Daumen!

Quelle: Hamburger Abendblatt