Köln Dieter Graf von Landsberg-Velen und Gemen, von 1957 bis 1992 zunächst Generalkommissar und später Präsident des Malteser Hilfsdienstes, ist am Sonntag, dem 15. April 2012, im Alter von 86 Jahren gestorben. Dieter Graf von Landsberg ist ein Mann gewesen, der in seinem Leben viel bewegt hat. Er war ein Mann der Strukturen, der Ordnung, der Disziplin, der Hingabe, unbestechlich, unbeugsam, wenn er es für nötig hielt, auch unbequem, aber nie unversöhnlich, kurz gesagt, ein starker Charakter, eine große Persönlichkeit.

Am 17. Dezember 1925 in Wocklum/Balve geboren, aufgewachsen in der Nazizeit, erlebte er die letzten Kriegsjahre als Soldat. Tief im christlichen Glauben verwurzelt, ein treuer Sohn der katholischen Kirche und überzeugt vom Auftrag der Malteser, wurde er 1950 in den Orden aufgenommen. Aus seiner Ehe mit Monika Gräfin von Westphalen gingen vier Töchter hervor.

Außergewöhnliche Führungsqualitäten

Seine außergewöhnlichen Führungsqualitäten kamen das erste Mal zum Einsatz bei den Hilfsmaßnahmen der Malteser für die Flüchtlinge des Ungarnaufstands im Jahre 1956. Beim sanitäts- und rettungsdienstlichen Großeinsatz des Malteser Hilfsdienstes anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses 1960 in München bestätigten sich diese Führungsqualitäten überzeugend.

35 Jahre, von 1957 bis 1992, stand Graf Landsberg an der Spitze der Malteser, zunächst als Generalkommissar, dann als Leiter, ab 1979 als erster gewählter Präsident. Graf Landsberg und Georg von Truszczynski bildeten in den Gründerjahren ein ideales Führungsteam. Landsberg, der Mann der Konzeption und Strategie, und Truszczynski, der Mann der Verwaltung, des Einsatzes und der Helferschaft. Gemeinsam verantworteten und gestalteten sie mit ungewöhnlich hohem persönlichem Engagement neun Jahre lang den bisher größten Einsatz in der Geschichte der Malteser, die humanitäre Hilfe im Vietnamkrieg. Nach dem Fall des Ceausescu-Regimes in Rumänien, Weihnachten 1989, übernahm Landsberg wenige Tage später vor Ort die Einsatzleitung.

Leitlinien auf Grundlage der Spiritualität des Malteserordens

Graf Landsberg war es auch, der einen Leitfaden für den Malteser Hilfsdienst schuf und dessen Satzung fortschrieb, die im Kern bis heute gültig sind; Rechtswerke, die hinsichtlich der Aufgaben und Ziele Orientierung und Sicherheit vermitteln, zumal die „Spiritualität“ des Malteserordens ihnen als Grundlage dient.

Im Sport übte er auf nationaler und internationaler Ebene über viele Jahre zahlreiche Führungsfunktionen aus. Besonders in Anspruch nahm ihn das Amt des Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des bei Weltmeisterschaften und Olympiaden so erfolgreichen deutschen Sportverbandes. Im zunehmend professionalisierten Sportbereich christlichen Werten Geltung zu verschaffen, war die Triebfeder für dieses Engagement.

Familie, Malteser, Reiterei

Jedes „Landsberg-Bild“ ist davon geprägt, aus welcher Perspektive es entstanden ist: Familie, Malteser oder Reiterei. Und doch weisen alle drei Bilder große Gemeinsamkeiten auf: Pflicht als Bürger und Christ in Familie, Gesellschaft und Kirche.

Allerdings stellte sich der Umgang mit ihm in seinen Funktionen nicht immer leicht und unkompliziert dar. War er von einer Sache überzeugt, war es schwierig, ihn von seiner Meinung abzubringen. Doch war es der Mensch Graf Landsberg, der in solchen Momenten dem Andersdenkenden, waren die unterschiedlichen Standpunkte erst einmal ausgetauscht, mit Milde und Verständnis begegnete.

Die große Lebensleistung Graf Landsbergs liegt in seinen Werken der Barmherzigkeit, der Zuwendung, der Treue und der Hingabe. Er hat sich für seine Ziele unermüdlich engagiert, das heißt Kraft und Energie eingesetzt, Widerstände überwunden und immer wieder auch Unverständnis in Kauf genommen, weil er weiter gesehen hat als andere und weil er weiter gehen wollte als andere. In der Geschichte des Malteser Hilfsdienstes nimmt er einen herausragenden Platz ein.

Diesem Nachruf liegt das Porträt Graf Landsbergs von Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck und Heinz Himmels aus dem Buch „Der Malteserorden in Deutschland“ – http://bit.ly/HStAhs – zugrunde.

 

Zur Pressemitteilung mit Bild: http://bit.ly/HWScXM