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Bielefeld So klingt ein berühmtes Karnevalslied. Doch nicht nur an diesem Tag ist für immer mehr Senioren sprichwörtlich „alles vorbei“. Denn, immer mehr Senioren müssen ins Gefängnis. Die gesamtdemographische Entwicklung schlägt aber auch wirklich in allen Bereichen durch. So manche Justizvollzugsanstallt muss sich darauf einstellen, wenn es bislang noch nicht geschehen ist, wie in Bielefeld-Senne.

Pünktlich hierzu erscheinen „Honneckers Haftnotizen“

Man könnte es heute als „Ironie des Schicksals“ einsortieren. Zur Meldung, dass immer mehr Senioren straffällig werden und ins Gefängnis müssen, berichtet der Focus, dass Margot Honnecker ein Tagebuch ihres verstorbenen SED-Parteichefs Erich zu einer weiteren Auflage. Erich Honnecker hatte während seiner Untersuchungshaft in Moabit eine Art Tagebuch verfasst. Vergangenen Freitag erschien das Buch „Letzte Aufzeichnungen“ in einer Auflage von 15.000 Stück – diese waren sofort vergriffen.

Ältester Häftling ist 76 Jahre

In Senne sind 78 der über 1600 Häftlinge über 60 Jahre, hiervon wiederum 13 Häftlinge sogar über 70 Jahre. Durch den geänderten Bereich für Senioren soll sich auch der älteste Gefangene mit 76 Jahren wohler fühlen. Neben anderen Gesprächsthemen sind nun aber auch „chillen“ angesagt, denn die Integration in den „Arbeitsmarkt“ steht selbstverständlich nicht mehr im Vordergrund. Vor allem die Herausforderungen mit Blick auf die Zeit nach der Inhaftierung sind nicht selten ganz andere. Einige ältere Häftlinge sind in ihrem Leben „draußen“ ganz selten einer seriösen Arbeit nachgegangen. Somit ist klar, dass man nach 40 Jahren Autos knacken keinen Anspruch auf eine Rente hat. So stehen diese Häftlinge vor ganz anderen Aufgaben, als die jüngeren Mithäftlinge.

Kein reines Bielefelder Problem

Bielefeld ist leider nur ein Beispiel in Bezug auf ältere Häftlinge. Im vergangenen Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen gleich einige Senioren gefasst, die sich als Drogenkuriere aus Holland ihre schmale Rente aufbessern wollten. Aus Auftaggeber Sicht sicherlich bewußt gewählt, in der Hoffnung das Senioren auf „Kaffeefahrt“ nicht so in den Fokus der Polizei fallen. Für diejenigen die erwischt wurden wohl eher ein Zeichen eines großen Irrtums.

Somit sind die Wege in die Straffälligkeit sehr vielfältig. Nicht alle älteren Häftlinge sind schon aktenkundig geworden. Es sind die unterschiedlichsten Gründe, warum gerade Ältere Menschen vermehrt straffällig werden und nicht immer steht das Geld im Vordergrund.

Wie bereits erwähnt spielt die gesamtdemographische Entwicklung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wir hoffen doch mal, dass dies nicht wirklich Schule macht und die ZDF-Vision von „2030 – Aufstand der Alten“, hier wurde dies auch thematisiert, auch nur ansatzweise wahr wird.