In Deutschland werden im Jahr 2050 geschätzt 2,6 Millionen Menschen von Demenz betroffen sein – doppelt so viele wie heute. Das geht aus dem Demenzreport 2011  vom Berlin-Institut hervor. Für viele wird die Krankheit jedoch auch zu einem finanziellen Problem, denn der Betreuungsbedarf der Erkrankten erhöht sich mit zunehmendem Krankheitszustand. Nicht immer gibt es Angehörige, die zur Seite stehen. Wenn es sie gibt, sind sie meist selbst ab einem bestimmten Zeitpunkt überfordert. Dabei ist eine Entlastung sowohl für den Betroffenen als auch für den pflegenden Angehörigen sehr wichtig. Eininge Entlastungsangebote im Überblick.

Die gesetzliche Pflegekasse: Je nach Grad der Demenz, gewährt die Pflegekasse Demenzkranken ein Betreuungsgeld zwischen 100 Euro (Grundbedarf) und 200 Euro (erhöhter Bedarf). Dieses Betreuungsgeld erhält man auch, wenn man noch keiner Pflegestufe zwischen I-III zugeordnet wurde.  Das Betreuungsgeld der Pflegekasse muss jedoch zweckgebunden ausgegeben werden. Zur Abrechnung mit der Pflegekasse, müssen die Rechnungen über Betreuungsleistungen vorgelegt werden, andernfalls erfolgt keine Erstattung.

Eine kostengünstige Form der Betreuung ist der Einsatz von Ehrenamtlichen Betreuungspersonen, die über verschiedene Plattformen angeboten werden (Kirchen etc.). Nicht selten werden diese Betreuungsleistungen auch vom Pflegedienst angeboten.

Pflegetagegeldversicherung: Zusätzliche private Vorsorge ist  nicht nur sinnvoll, sondern nahezu unumgänglich. Hier ist der Vorteil, dass man das Geld zur freien Verfügung hat. Wenn man auf Leistung im Fall von Demenz wert legt, muss hierzu ein entsprechender Vertrag neu abgeschlossen werden. Hierzu berät sicher der Versicherungsvertreter Ihres Vertrauene vor Ort. Angeboten werden derartige Versicherungen u.a. von der UKV-Union, R+V, Generali oder auch der AXA-Versicherung.

Pflegerenten-Policen: Diese Policen leisten meist alle bei Demenz, nicht jedoch im Basisschutz. Die Leistung entspricht in ihrer Höhe meist der vereinbarten Leistung von Pflegestufe II. Die Policen entsprechen Kapitallebensversicherungen. Man erhält im Pflegefall eine

Seniorentagesstätte

garantierte Summe plus Überschusszahlungen. Allerdings gibt es auf die Höhe der Überschüsse bei Vertragsabschluss keine Garantie. In der Regel entfällt die Beitragszahlung, wenn man zum Pflegefall wird. Bei einer garantierten Rente von 1000 Euro in Pflegestufe III und rund 700 Euro in Stufe II (auch Demenz), zahlt man im Modellfall oben zwischen 50 und 70 Euro im Monat (Mann) bzw. 70 bis 95 Euro (Frau).

 

Neue Wohnmodelle: Kann ein  Demenzpatient nicht mehr alleine leben, gibt es heute neben den klassischen Heimplätzen neuerdings auch Hausgemeinschaften in der stationären Pflege oder Demenz-Wohngemeinschaften (WGs). Die Unterstützung  in der Betreuung durch 24 Stundenbetreuungskräfte ist nicht wirklich neu, jedoch mittlerweile legal möglich.

Hausgemeinschaften: Hier handelt es sich um kleine Wohneinheiten innerhalb eines Heimkomplexes, in dem sechs bis zwölf Bewohner zusammenleben. Meist sind mehrere solcher Gruppen in einem Gebäudekomplex untergebracht. Die Gruppen gestalten ihr Zusammenleben selbst: Jede kocht beispielsweise für sich und bestimmt eigene Regeln des Alltagslebens. Betreut und gepflegt werden sie von Mitarbeitern des Heimträgers. Diese Wohnform soll im Rahmen einer stationären Betreuung ein möglichst „normales“ privates Leben ermöglichen.

Demenz-Wohngemeinschaften: Diese WGs sind unterschiedlich organisiert und strukturiert. Einige Wohngruppen haben eine sogenannte „Hausmutter“ als ständigen Ansprechpartner. Meist wird die Pflege von einem ambulanten Pflegedienst übernommen. Betreuungskräfte und Haushaltshilfen kommen in die Gemeinschaft und unterstützen die Bewohner. Diese wirken also, soweit sie dazu in der Lage sind, selbst bei der Haushaltsführung mit. Wie viel Hilfeleistung nötig ist, wann sie erbracht wird und von wem, bestimmen die Bewohner und ihre Angehörigen selbst. Die Pflegebedürftigen bleiben somit die „Hausherren“, Hilfsdienste spielen die Gastrolle.

Interaktive Filme und Beschäftigungsmaterial für Demenzkranke

Interaktive Filme und Beschäftungsmaterial für Demenzkranke

Tagespflegegruppen: Tagespflegegruppen gibt es in unterschiedlichen Gruppengrößen, meist jedoch in kleinen Gruppen bis zu 7 „Gäste“, wie die Tagespatienten liebevoll genannt werden. Nach einem gemeinsamen Frühstück kümmern sich Pflegepersonal undBetreuer gemeinsam um die Gäste. Verschiedene Beschäftigungen wie Gesellschaftsspiele, Zeitung vorlesen, DVDs gucken oder auch basteln vertreiben die Zeit. Die „Gäste“ bzw. die Angehörigen selbst entscheiden, wann und wie oft die Einrichtung genutzt wird.

Beratung: Es ist von Region zu Region unterschiedlich, welche Betreuungs- und Wohnangebote es gibt. Ansprechpartner sind zunächst die Kommunen, die meist eine Senioren- oder Pflegeberatungsstelle oder einen Pflegestützpunkt  haben. Auch die Pflegeberatung der eigenen Pflegekasse (Krankenkasse) kann weiterhelfen. Ansonsten sind Wohnberatungsstellen für ältere Menschen oder die Sozialstationen, wie die Caritas oder das Rote Kreuz, Ansprechpartner. Nachbarschaftshilfen, der behandelnde Arzt oder die Kirche kommen auch in Frage, ebenso das Sozialamt. Denn kann man eine Betreuung nicht selbst finanzieren, ist das Sozialamt zuständig, eine Kostenübernahme zu prüfen.

Schulungen: Für viele pflegende Angehörige mehr als nur ein Einblick – Schulungen für pflegende Angehörige. Hierbei erlernt man in der Regel mehr über die Krankheit. Wie man die vorhandenen Ressourcen aktiviert oder reaktiviert, wie man den dementiell veränderten Menschen erkennt, akzeptiert und wie man über Gefühle einen Zugang finden kann. Das Angebot und die Inhalte sind sehr vielfältig.

Es gibt sie, die Entlastungsangebote für pflegende Angehörige – sowohl finanziell als auch mental.  Wir haben nun einen kleinen Überblick aufgeführt. Bestimmt gibt es regional noch mehr Angebote – fragen Sie doch einfach mal im Rathaus nach.