Altenheim, siechend das Kreuz brennt rot

Deutschland was tust du mir an,
Steuern gezahlt, Kinder erzogen,
versichert, mir war nie bang,
hast du mich um meine Früchte betrogen.
Alles wurde mir genommen,
es ist wegen der Gemeinschaft,
ich sei zu teuer, soll leben besonnen,
der nicht gespart nun gleich schafft.

Das Personal mich pflegt,
ist schnell, hat keine Zeit,
immer ein anderer, keine Intimität,
Würde kostet, Material nicht immer bereit.

Bitte ein Gespräch, ein nettes Wort,
habe einen Schalter wo ich liege,
drücke ich, schauen sie, gleich wieder fort,
drücke oft, nicht allein, Zeit besiege.

Manchmal kommt ein Ehrenamt,
ich möchte gerne den Wind spüren,
durchs Fenster sehe ich den Sonnenstand,
es klappen nur die Türen.

Die Kinder sagten, es ist wie Daheim,
wir würden öfter kommen, du weißt ja,
wenn sie wüssten, hier möchte ich nicht sein,
ich bin still, bin nicht mehr lang da.

Die Manager leben in Saus und Braus,
ich liege in Kot und Urin,
Politiker, Richter richten den Leichenschmaus,
um alles zu schaffen, wecken um halb sieben.

Tiere beißen das schwache tot,
Menschen,– ich bin noch Kapital,
für Liegestellen gibt es Jod,
e.V., Sparsamkeit meine Würde stahl.

Siechend der Sinn, Gesellschaft, die Moral,
habe Jugend, euch alles gegeben,
ist euch euer Alter so egal,
fühle mich zur Last, nehmt mein Leben.

Altenheim, Deutschland, wäre ich doch tot.

Frank Poschau
29.11.11