Foto: Lisa Eiling-Wilke/pixelio.de

Hamburg(gk) Soeben ist die heutige Ausgabe der Talkshow mit Anne Will zu Ende gegangen. Heute ging es um das Thema „Malochen bis 67 und dann arm – ist das sozial?„. Neben Ottmar Schreiner (SPD), Richard David Precht (Philosoph und Honorarprofessor), Leonhard Kuckard (Vorsitzender der Senioren-Union NRW), Johannes Vogel (FDP), Bernd W. Klöckner (Finanzberater und Buchautor) war Monika Bauch, eine Rentnerin die ihre Rente durch Toiletten putzen aufbessern muss, eingeladen. Um Frau Bauch geht es auch gleich als erstes. In einem Fernsehbericht wird kurz über sie und ihre Tätigkeit in einem Berliner Kaufhaus berichtet. Im Anschluss daran ist es Frau Bauch, die durch Anne Will die volle Aufmerksamkeit bekommt. Frau Bauch hat 41 Jahre voll gearbeitet, den größten Teil in der ehemaligen DDR. Sie war bei der Bahn. 1999 geht sie mit 55 Jahren in Frührente, weil sie nach Hamburg versetzt werden soll. Zunächst arbeitet sie dann in einer Pflegeeinrichtung – volle 5 Jahre. Somit hat sie nun 46 Jahre in die Rente eingezahlt. Ausgezahlt bekommt sie ca. 740.- zuzüglich 50.- Betriebsrente. Somit möchte und muss sie, dass betont sie selbst, noch weiterhin arbeiten und sich selbst versorgen. „Man kann nicht in Ruhe alt werden“ sagte sie abschließend. Ist Frau Bauch Einzelfall oder wird es mehr?

Diese Frage geht gleich in die Runde. Zunächst an Ottmar Schreiner, der auf die Frage hin, ob es akzeptabel ist, dass Frau Bauch noch arbeiten gehen muss, sagt: „Menschen müssen generell einen Lebensabend haben können ohne Sorgen.“ Arbeit muss sich wieder lohnen. Er berichtet von den Recherchen zum Rentensystem Bevölkerung in diese Absicherung bezahlen muss, unabhängig davon, ob Politiker, Beamter oder Arbeitnehmer. Gleichzeitig gäbe es dann auch eine Deckelung der Pensionen und Renten allgemein.

Bernd W. Klöckner meint auf dei Frage ob es zumutbar ist: “ Es gibt 3 Aspekte. 1.Wir haben arme Rentner, zwischen 60-90 Prozent haben 1100 Euro und mehr, 2.Arbeit muss sich lohnen. Wenn man 45 Jahre und mehr gearbeitet hat, darf man keine Angst haben müssen. 3. Was nicht geht  ist eine Illussion, eine ökonomische Illussion, dass den Leuten vermittelt wird, dass man 20-25 Jahre Transferleistungen (aus der Rentenkasse) bekommt und das zukünftig in einer Anzahl, die wir uns ökonomisch nicht leisten können. Darüber muss gesprochen werden.“

Leonhard Kuckert sagt dann: „Wir haben Jahrzehnte versäumt, dass System zu ändern.“ Der jungen Generation ist es nicht zu zumuten, durch Lohnnebenkosten die Zeche zu zahlen.

Johannes Vogel, Arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP, bewundert Frau Bauch und ihre „Lust noch dabei zu sein“. Doch wie verhindern wir zukünftig Altersarmut? „Eine private Absicherung ist unumgänglich. Alleine funktioniert die gesetzliche Rente nicht.“ sagt Vogel. Das die Menschen länger arbeiten sollen, hat seiner Meinung nach auch mit der Lebenserwartung und der längeren, körperlichen Fitness zu tun.

Richard David Precht ist selbstständig, zahlt jedoch freiwillig in die gesetzliche Rente ein. Seiner Meinung nach ist es seine Pflicht und eine Ungerechtigkeit, dass Selbstständige sich der Einzahlung in dieses System entziehen können. Zum Thema Rente bringt er es schnell auf den Punkt: „Der Zustand von Frau Bauch geht nicht an. Wir brauchen eine gesetzliche Mindestrente von 1000.- Euro, also 70.- über der Armutsgrenze.“

Im weiteren Verlauf der Sendung ging es noch um die Idee von Richard David Precht, ein verpflichtendes soziales Jahr sowohl für Jugendliche, als auch für Renter einzuführen. Die Abschaffung der Wehrpflicht und dem damit verbundenen Wegfall des Zivildienstes, stellt alle vor eine große Herausforderung. Mit dieser Idee stößt er in einer Umfrage unter Rentnern auf wenig Gegenliebe. Alleine schon deshalb, weil er die Zahlung der Rente davon abhängig machen würde, ob jemand zum „Dienst“ erscheint oder nicht. Rücksicht sollte man sicherlich auf diejenigen nehmen, die gesundheitlich und körperlich nicht mehr können. Es gebe genügend Rentner mit 62 oder 65 Jahren, die noch fit sind und hier gut einsteigen könnten. Ob nun in Pflegeheimen oder Schulen sei völlig frei wählbar. Dabei wäre es mit einer Wochenarbeitszeit von 15 Stunden im Gegenzug möglich, die von ihm geforderten 1000.- Euro als Anreiz zu stellen.

Leonhard Kuckert hält die „Zwangsverpflichtung“ für nicht durchsetzbar, Ottmar Schreiner jedoch hält es für einen guten Ansatz, Anreize zu schaffen. Frau Bauch hält von Verpflichtungen nicht so viel und meint, dass diejenigen die es machen möchten ja breits schon tun – ohne Verpflichtung.

Zitate der Talkgäste

Auch im Blog der Webseite wurde und wird diskutiert. Positive Resonanz gab es bereits zum Vorschlag von Richard David Precht, ein soziales Pflichtjahr einzuführen.

Fazit: Eine interessante Sendung, die immer wieder durch „neue Ehrlichkeit“ auffiel. Abschließend wurde es nicht ausgesprochen, ob es nun sozial ist, bis 67 Jahren zu arbeiten und arm zu sein.