Hamburg(gk) Sie mögen manche Begriffe nicht, kaufen immer kurz vor Feierabend ein und sind zu 90% noch ziemlich fit – Deutschlands Rentner. Eine wachsende Zielgruppe wie wir nicht erst seit heute wissen. Doch wie bitte schön, sollen wir uns auf sie einstellen, wenn sie sich selbst garnicht dazu äußern? Wie kann man Projekte und Ideen entwickeln, wenn die Betroffenen gar nicht mitmachen? Ein (nicht immer ernst zu nehmender) Blick aus einem anderen Winkel…Best Ager, Silversurfer oder gar Happy-Ager – sie tragen viele Namen. Sie sind nah dran und doch so fern – die ältere Bevölkerung unter uns. Die Industrie, allen voran die Werbebranche, versucht immer wieder die über 20 Millionen! Menschen umfassende Zielgruppe anzusprechen. Nicht selten nur mit mäßigem Erfolg. Und das, wo wir uns doch mit großen Schritten demographisch noch mehr verändern. Verläßliche und repräsentative Zahlen gibt es wenige – auch die Volkszählung kann nur annähernd Aufschluss geben.

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

Eine richtige Ansprache für die Menschen hat anscheinend noch niemand gefunden. Es ist auch recht problematisch, wenn man hier mit 45+ schon zum „alten Eisen“ gehört und dort dann 60 Plus angeboten wird. Ein schmaler Grat, den man betreten muss, wenn man sich um die Belange älterer Menschen kümmert. Doch selten finden sich die Angesprochenen in den Kategorien bzw. „Schubladen“,  zu Hause.

Vor 50 Jahren war man mit 50 oder 60 Jahren „alt“ und hat sich auch entsprechend gezeigt. Unter anderem die Medizin macht es möglich, dass wir heute nicht nur eine längere Lebenserwartung haben, sondern auch entsprechend länger fit bleiben und „jung“ fühlen – die rund 3-4 Millionen hilfe- und pflegebedürftigen einmal ausgeklammert. Somit bleibt eine große Gruppe, auch aus politischer Sicht, die sich weder selbst organisert, noch sich organisieren lässt.

Senioren schwingen das Tanzbein

Und diese Gruppe wächst – anscheinend unaufhaltsam und überproportional. Somit müssen wir uns beeilen, eine Ansprache zu finden, dass das Älter werden noch schöner und angenehmer wird, als geplant. Und vor allem – das sich die Projekte und Ideen auch lohnen. Schließlich reden wir hier über eine riesige Zielgruppe. Zudem erschließen sich hier neue Märkte und neue Verdienstmöglichkeiten. Leider haben nicht alle Anbieter „humane“ finanziellen Interessen. Viele Siegel und Bewertungen werden angeboten. Die Vielfalt ist fast erdrückend. Was passiert dann? Dann schlagen sie die Tageszeitung auf und lesen wieder etwas von Abzocke, Enkeltrick oder Kaffeefahrt. Das macht es neben der erschwerten Ansprache der Zielgruppe, nicht wirklich leichter.

Senioren bzw. Rentner als Zielgruppe – das rückt mehr und mehr in den Fokus. Schade nur, dass die Zielgruppe das nicht zu merken scheint. Es sind eben nicht alle Deutschen ab 50 im Internet zu finden – bei den über 70 jährigen sieht es noch dünner aus. Getreu dem Motto „Stell Dir vor es gibt Angebote und keiner merkts“.

Über die Printmedien erreicht man sie noch – liegen doch die entsprechenden Zeitungen bei Ärzten und Therapeuten noch großzügig aus – dem Lesezirkel sei Dank. Doch ist mit erreichen vielmehr gemeint, dass hier noch gelesen wird – wie nachhaltig die Werbung wirkt, wird intern ausgewertet und selten nach außen getragen.  Gut, man muss auch nicht alles wissen.

Rund 30 Millionen Rentner - nicht wenige leben allein

Eine Frage geht mir halt nicht aus dem Kopf in diesem Zusammenhang – wie kann man eine Lobby für eine Zielgruppe aufbauen, wenn diese irgendwie garnicht will? Außer Klagen gegen Kindergärten, meckernde Senioren und eben diejenigen, die kurz vor Feierabend wie die Drohnen in den Supermärkten rumstromern ließt und hört man nicht viel. Nicht viel von denen, die einen großen Teil der deutschen Bevölkerung ausmachen. So gesehen leben sie „leise“ neben uns her.

Manchmal so leise, dass wir nicht merken, wenn sie nicht mehr da sind. Denn hier komme ich zum Schluss noch zu einem ganz anderen Problem – der Einsamkeit und Isolation im Alter. Die Zahl der Single-Senioren wächst ebenso. Nicht alle Senioren haben ein so gefestigtes Umfeld bzw. Familie oder Freunde, dass sie oftmals in ein Loch fallen und sich selbst isolieren. Nicht nur das man diese Menschen so gut wie auf keinem Wege erreicht, nein, sie nehmen am Leben irgendwie nicht mehr Teil.

Dennoch verdienen sie Gehör und Aufmerksamkeit – wenn sie es denn wollen und äußern……

Quelle: Dewia