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Berlin(gk) Als großer Wurf von seinem Vorgänger Philipp Rösler angekündigt und vom neuen Gesundheitsminister formal vollendet – die Pflegereform. Entgegen der knappen Berichterstattung bei der Krankenkassenreform Anfang diesen Jahres, scheint man hier ein paar mehr Träger, Institutionen und Experten aufzuwiegeln. Vor allem diejenigen, die es nach der Reformankündigung betrifft, dürfen zurecht enttäuscht sein. 2,15 Euro für einen Tag erhält man laut Reform, für die Pflege eines dementiell erkrankten Angehörigen.

Dementiell Erkrankte sollen finanziell gefördert werden

Zunächst einmal wurde die Finanzierung dieser Gelder erläutert: 0,1 Prozent wird die Pflegeversicherung teurer. Das soll 1,1 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen in die Kassen bringen – exakt diese Summe soll dann eben für Demenzkranke wieder ausgegeben werden. Im Gegenzug wird die Rentenversicherung um 0,3 Prozentpunkte gesenkt. Dies solle insgesamt, trotz erhöhtem Aufkommen für die Pflege, zu einer entlastung führen so der Gesundheitsminister.

Der Beitragssatz insgesamt soll jedoch genügend Luft bis 2014 bieten (laut cecu.de). Das ist aber nicht wirklich neu – vor knapp 12 Monaten wurde dies schon thematisiert. In NRW machen sich Parteikollegen der Regierungspartei CDU derweil schon Gedanken um eine Schließungswelle der ambulanten Pflegedienste. SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach geht davon aus, dass „rund 6 Milliarden Euro“ benötigt würden, um dementiell Erkrankte entsprechend zu versorgen.

Die Regierungsparteien haben sich auch darauf geeinigt, dass die freiwilligen Riester-Rentenprodukte um eine Pflegevariante erweitert werden soll. Heißt – private Pflegeabsicherung soll wohl gefördert werden. Klingt gut, ist es aber bestenfalls auf lange Sicht. Kurzfristig gesehen, sind nun mal die Menschen schon pflegebedürftig – einem heute 40-jährigen kann man dennoch nur empfehlen , privat vorzusorgen. Ein Pflegefall kommt so plötzlich wie der Tod.

Tagespflegen vor dem finanziellen Aus?

Nun noch einmal zurück zur Aktualität – Demenzkranke erhalten mehr Unterstützung. Eine geänderte Einstufung in die bislang vorhandenen Pflegestufen wird anscheinend überprüft bzw. sollen im Laufe der Wahlperiode geändert werden. Wie lange dies noch überprüft wird, weiß man nicht. Faktisch hinkt Deutschland schon länger hinterher. In Österreich gibt es deutlich mehr Pflegestufen, die auch die untersschiedlichen Stadien einer Demenz beinhaltet. Eigentlich, so bemängelt dies auch der Pflegeexperte Klaus Fussek in einem Interview im ZDF-Morgenmagazin. Man weiß was zu tun ist, aber tut aktiv nichts dagegen, könnte man es zusammenfassen.

Brigitte Döcker, Vorstandsmitglied des AWO-Bundesverbandes sieht die Pflegereform als „Trostpflästerchen„.

Nun bleibt in der Tat abzuwarten, was die Reform mit sich bringt. Gemeckert ist ja immer schnell.