Berlin(dpa/N24) Der Herbst ist da und viele Wintersportfans wachsen bereits ihre Skier. Ärzte und Skilehrer warnen jedoch gerade Wiedereinsteiger davor, sich unvorbereitet ins Schneevergnügen zu stürzen. Ob für Fortgeschrittene, Wiedereinsteiger oder Anfänger – Skilaufen ist ein Sport für alle Altersgruppen. „Wichtig ist allerdings eine gute körperliche Vorbereitung“, sagt Ute Blessing-Kapelke, beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verantwortlich für den Bereich „Sport der Generationen“.

„Parallelschwung ist out“

Aber auch die richtige Ausrüstung ist eine wichtige Voraussetzung, damit die sportliche Betätigung zum Vergnügen wird. Wer zum Beispiel nach vielen Jahren Pause wieder mit dem alpinen Skifahren beginnen möchte, findet inzwischen eine Neuerung, die seit den 90er Jahren nicht nur Senioren das Vergnügen erleichtert. „Die Carver-Ski sind eine kleine Geheimwaffe“, sagt Ute Blessing-Kapelke. „Mit ihren breiten Spitzen und Enden sowie der schmalen Taillierung schneiden (carven) die Ski viel stärker eigenständig in die Kurve. Das verringert gerade für das Knie die Belastung bei der Drehbewegung.“
Wer noch alte, lange Ski besitzt, sollte sich neue Carver kaufen oder leihen. Anfänger und Wiedereinsteiger besuchen am besten einen Kurs in einer Skischule, um die richtige Technik zu erlernen. „Das einstige Wedeln und der Parallelschwung mit ganz enger Skiführung sind übrigens out“, sagt die Expertin.
Langlauf trainiert Herz-Kreislauf-System

Auch im Langlauf hat sich beim Material einiges getan. „Die modernen Cruising-Ski sind kürzer“, sagt Daniela Bläse aus dem Bundeslehrteam Nordic des Deutschen Skiverbands (DSV). „Je länger der Ski, umso leichter kann verkantet werden. Wichtig ist, sich im Fachhandel gut beraten zu lassen. Auch auf die richtige Breite kommt es an.“ Der Skilanglauf gilt als eine der gesündesten Ausdauersportarten – ob im klassischen oder im Skating-Stil.
„Wir kombinieren hier eine gelenkschonende Sportart mit dem gleichzeitigen Training des Herz-Kreislauf-Systems. Das heißt: Nicht nur Gelenke und dazugehörige Muskeln werden in Schwung gehalten“, sagt Christian Liebau, Chefarzt der Orthopädischen Klinik in den Asklepios Harzkliniken in Bad Harzburg. Durch das Skilaufen könne gerade bei Patienten mit der chronisch ischämischen Herzkrankheit – einer Erkrankung der Herzkranzgefäße – oder beginnenden Durchblutungsstörungen ein positiver Effekt erreicht werden.
Orthopäden können Empfehlung geben

Ob Langlauf oder Alpin: „Erste Grundregel ist: Halten Sie Ihren Ehrgeiz in Schach und wählen Sie die Belastung nicht zu hoch. Sonst können Sie mehr falsch machen, als Ihnen lieb ist“, ergänzt Blessing-Kapelke. „Wichtig ist die langsame Steigerung des Trainings, weil sich die Gelenke und Bänder nicht so schnell anpassen wie Herz, Kreislauf und Muskeln und daher eine Verletzung droht.“ Um die Belastbarkeit zu kontrollieren, sollte im Zweifel vorab ein Arzt zurate gezogen werden.
Ein Orthopäde kann über mehrere Testverfahren den Zustand der Gelenke und der Muskulatur ausprobieren, empfiehlt Liebau. Gesundheitliche Grenzen können zum Beispiel schwere Schäden im Knie- oder Hüftgelenk oder auch Knochenerweichung (Osteoporose) sein. Damit jedoch gesundheitliche Probleme nicht erst auf der Loipe entdeckt werden, sollte nach den Erfahrungen der DSV-Skilehrer die Vorbereitung schon zu Hause beginnen. „Ideale Vorbereitung auf den Langlauf ist zum Beispiel Nordic Walking“, sagt Daniela Bläse. „Man kann auch Dehnungsübungen für Gelenke und Muskulatur machen“, betont Chefarzt Liebau. Auch dazu könne der Arzt Ratschläge geben.
Vorsicht bei Alkoholkonsum

„Wichtig ist eine gewisse Gelenkigkeit im Knie-, Hüft- und Schultergelenk und gleichzeitig in der Wirbelsäule. Zusätzlich braucht jeder ein gut erhaltenes muskuläres System. Das kann mit einfachen Übungen gedehnt und gleichzeitig trainiert werden.“ Das könne einen Kaltstart vermeiden und damit das Verletzungsrisiko verringern.
Oft endet das sportliche Vergnügen auf Skiern in gemütlicher Runde. „Das ist auch gut so“, ermuntern die Experten zur geselligen Nachbereitung der sportlichen Aktivität. Mit einer Einschränkung: „Wer seinem Körper gerade noch mit dem Sport Gutes getan hat, sollte danach nicht den Alkohol in Strömen fließen lassen“, rät Bläse.
„Vor allem unmittelbar nach der körperlichen Anstrengung sollte man es langsam angehen lassen. Dazu gehört auch das Messen der Pulsfrequenz, um zu überprüfen, wie der eigene Körper auf die sportliche Belastung reagiert.“

Quelle: N24