Köln(gk/kmt) Sie hat ein (noch) außergewöhnliches Berufsfeld ausgesucht – Hedy Fuchs-Waldherr. Sie berät Senioren in Sachen Sexualität. In verschiedenen Städten in Deutschland gibt Sie Kurse, die den Teilnehmern das Thema Sex und Sexualität (wieder) näher bringen soll. Sie selbst sagt:“Zärtlichkeiten kennen keine Altersgrenzen“

Foto: www.sinnlicher-walzer.de

Warum eigentlich „darf“ man im Alter nicht über Sex sprechen oder ihn gar noch haben? Bislang gibt es keine medizinischen oder wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass ab einem gewissen Alter Sex und/oder Zärtlichkeiten, nicht mehr erlaubt sind.

Diese oder ähnliche Fragen wird sich vielleicht auch Hedy Fuchs-Waldherr gestellt haben. Schließlich widmet sie sich ausführlich diesem Thema, oder besser eingehend. Im Internet findet man zudem selten seriöse Angebote zum Thema „Sexualberatung für Senioren“ – außer jetzt Hedy FW, wie sie sich selbst auf Ihrer Homepage nennt. Sie kämpft gegen ein großes Tabu an – Sexualität im Alter gilt als so erotisch wie Stützstrümpfe oder Inkontinenzwindeln.

Die Sexualberaterin versucht es in den meisten Fällen mit Humor. In ihren Seminaren erzählt sie Anekdoten, nennt die Dinge beim Namen. Der gemeinsame Besuch im Sexshop gehört auch dazu: „Ein Heidenspaß!“ Humor ist ihr wichtig, lustiges und liebevolles Beisammensein sei allemal erfüllender als die Jagd nach dem Orgasmus: „Es ist ein wunderbares Geschenk, wenn wir einen haben. Aber wenn wir mal keinen haben – mein Gott, dann war es doch auch sehr schön, oder?“. Sex, sagt sie, sei schließlich keine Wettkampfsportart.

Hedy Fuchs-Waldherr schöpft aus Erfahrung, aus Gesprächen, aus Büchern und Recherchen. Es ist Learning by Doing, denn Vorreiter gibt es kaum auf diesem Gebiet. Das ist ein Problem, auch gesellschaftlich. Dann zum Beispiel, wenn es um den Umgang mit der Liebe und den sexuellen Bedürfnissen im Pflege- oder Seniorenheim geht. Profan und selbstverständlich scheint die Aussage, dass sexuelle Bedürfnisse nicht automatisch mit dem Eintritt ins Rentenalter versiegen. Im Herbst 2005 verabschiedeten die 200 Teilnehmer des „Runden Tisches Pflege“, initiiert vom Familienministerium, die „Pflege-Charta“, in der jedem Pflegebedürftigen das Recht auf Sexualität, auf Privat- und Intimsphäre zugesprochen wird.

Dennoch: Der alte Mann, der im Rollstuhl masturbiert, gilt allzu oft als Ferkel, die Vorstellung, dass Pfleger Heimbewohnern Prostituierte vermitteln könnten, wird belächelt. Und das, obwohl es sogar Hinweise darauf gibt, dass regelmäßige sexuelle Kontakte beispielsweise das Befinden von Demenzkranken bessern können.

So gilt ebenso der Besuch einer Prostituierten oder „Streichlerin“ wie sich manche Damen auch nennen, als anstößig und wird nicht toleriert. Das diese, meist Frauen, einen wichtigen Teil im Leben eines älteren Menschen einnehmen können, bleibt hierbei ungeachtet.

Potenzprobleme dürften ebenfalls kein Grund sein, die Sexualität komplett zu negieren, ebenso wenig wie Hüftprothesen oder künstliche Kniegelenke. „Es gibt so viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu verwöhnen“, sagt Fuchs-Waldherr, „Liebe ist das schönste Gefühl, das Menschen sich geben können. Und dazu gehört auch der Sex. Eine Altersgrenze gibt es nicht.“

Mehr Information, auch zu den Terminen auf der Internseite: www.sinnlicher-walzer.de

Quelle: Kölner Stadtanzeiger