Spätsommer

Berlin/Freiburg(gk) So klingt der Teil eines Liedes von Marius Müller-Westernhagen – „Freiheit“. Eben diese „Freiheit“ hatte Bundespräsident Christian Wulf, als er 2010 Papst Benedikt nach Deutschland einlud. Dies hat nicht wenige Diskussionen ausgelöst: Debatten über uralte Sonderrechte der Kirchen, über die Kosten des Papstbesuches bis hin zur Diskussion über die Ökumene. Es gab viel zu tun, bevor er kam und als er da war.

Der Papst in Deutschland

Man kann nicht behaupten, dass es niemand mitbekommen hat, dass Papst Benedikt hier war. „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ lautete die Überschrift über dem Papstbesuch. Entsprechend groß war das mediale Interesse. Der Axel-Springer-Verlag installierte eigens hierfür die Schlagzeile aus einem seiner Blätter „Wir sind Papst“ an seinem Berliner Verlagshaus – nette Geste.

Vergangenen Donnerstag begann dann der 3-tägiger Besuch in Berlin. Nicht alle haben diesen Besuch jedoch fröhlich aufgenommen. Aus christlicher bzw. katholischer Sicht, folgte der Papst der Einladung eines zwar katholischen, aber wiederverheirateten Bundespräsidenten und wurde zudem von einem bekennend schwulen Bürgermeister in Berlin herzlich empfangen. Gleich 2 No-Go´s an einem Tag sozusagen.

Nachdem gerade die katholische Kirche jedoch um einige ihrer Profilierungen zu kämpfen scheint, sind diese beiden Umstände schon fast „Peanuts“.  So startet sein Besuch in Deutschland, ein wenig holprig vielleicht, im Bundestag. Einige riefen hier schon früh zum Boykott der Rede auf. Der Vatikan reagierte gelassen – die Rede „sei für Menschen, die sich dafür interessieren“ ließ man mitteilen.

Die hohen Kosten, man schätzt ca. 25 Millionen Euro, waren ein weiterer Kritikpunkt, nicht gegen den Papst, aber auch irgendwie nicht dafür. Die Einen hate es gefreut das Joseph Ratzinger in seiner Heimat war und wieder Mut, Hoffnung und vor allem die Lehre des katholischen Glaubens verbreitet, die Anderen reden lieber von Kosten, von Wiederverheirateten oder schwulen Politikern. Naja, irgendwas ist ja immer.

Ist die Zeit für Ökumene da?

Fakt ist – der Papstbesuch diente vor allem dem mehr als angeschlagenen Image der katholischen Kirche. Im vergangenen Jahr sind erstmals mehr Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, als getauft wurden. Zu tief sitzt bei vielen der Stachel der Mißbrauchsskandale. Ob sich durch den Besuch etwas an der Haltung ändert, bleibt abzuwarten.

Enttäuscht sein darf jedenfalls die evangelische Kirche. Das Thema Ökumene stand bei seinem Besuch in Erfurt auf dem Programm, wurde jedoch nicht wirklich vorangetrieben. Im Gegenteil – Benedikt erteilte mehr eine Absage an ein schnelles „Aufeinander zugehen“, als dass er hier Zeichen für eine kooperative Zusammenarbeit setzte.

Soll man nun abschließend sagen, es hat alles nichts gebracht? Nein, so kann man das nicht sehen. Auch die vielen hunderttausende Besucher seiner Gottesdienste sprechen hier eine andere Sprache. Wie immer im Leben gibt es Gewinner und Verlierer. Auch wenn der Pontifex nicht alle Kritiker beruhigen konnte oder wollte, bleibt wohl zumindest der Stolz der Deutschen, einen deutschen Papst zu haben. Freiburg hat es beim letzten Gottesdienst seiner Reise gezeigt – 90.000 Menschen waren vor Ort.

Zudem – jeder sollte auch oder gerade in der heutigen Zeit, genügend Raum und Zeit haben, seinen Glauben zu haben, zu leben und erleben – unabhängig von Kosten, Zielen und Wünschen – Freiheit eben…..

 

Quelle: Dewia.de