Berlin(gk) Niedergelassene Ärzte müssen künftig mit Gehaltseinbußen rechnen, falls Kassenpatienten zu lange auf einen Termin warten müssen. Das berichtete am Sonntag das Magazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf den neuesten Entwurf für ein Gesetz zur ärztlichen Versorgung. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wolle „gegen unbegründete und ungerechtfertigte Wartezeiten vorgehen, dazu werden verschiedene Vorschläge in der Koalition beraten“, bestätigte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Volle Wartezimmer und lange Wartelisten bald Vergangenheit?

Ein altes Problem wird neu angegangen – die Zweiklassengesellschaft in der Gesundheitspolitik. Daniel Bahr (FDP) möchte das, was einige vor ihm versucht bzw. angefangen haben, zu Ende führen. Er übt ein wenig Druck auf die Ärzte aus, der es ihnen untersagt, Kassenpatienten abzulehnen um Umsatz- und Gewinnträchtigere Privatpatienten zu behandeln.

Ein schwieriges Unterfangen, zumal Fachärzte nicht selten ob des erschöpften Budgets Kassenpatienten ablehnen bzw. vertrösten müssen. Vor allem bei Volkskrankheiten wie dem Burn-Out-Syndrom fehlt es den Psychotherapeuten an ausreichendem Budget, allen Patienten gerecht zu werden. Ist das Budget im Quartal ausgereizt, könnte es passieren, dass ein Arzt nur 40% des Honorars oder vielleicht sogar garnichts bekommt. Das macht kein Arzt lange mit, hat er ja auch noch u.a. Verantwortung gegenüber seinem Personal.

Eine Alternative soll nun die Möglichkeit der Behandlung im Krankenhaus sein. Die Kosten hierfür möchte Bahr dann den Kassenärztlichen Vereinigungen in Rechnung stellen. Diese beklagen seit Monaten, dass Fachärzte vermehrt bzw. bevorzugt Privatpatienten behandeln.

Kein wirklich neues Thema – es begleitet uns schon seit 15 oder 20 Jahren. Fast könnte man sagen „Alle Jahre wieder“ – doch in Zeiten der Reformen und Reförmchen, vor allem in der Gesundheits- und Pflegepolitik, ist es wohl wieder einmal an der Reihe. Mal sehen was herauskommt.

Quelle: Focus