Essen(gk) Zusammengenommen liegt die Zahl der Senioren die in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland offiziell mit ihrer Alkoholsucht kämpfen, bei rund 7%. Klingt nicht viel angesichts der rund 2,2 Millionen Pflegebedürftigen, wenn es da nicht die berühmte Dunkelziffer gäbe. Der Verlust eines geliebten Menschen oder auch andere traumatische Erlebnisse (Kriegsgeschehnisse etc.) sind nicht selten die Auslöser beim Griff zur Flasche.

Senioren:Alkoholsucht wird zum Problem/Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Nicht alle erkennen die Anzeichen der Sucht selbst und begeben sich nach den ersten Erlebnissen nach einem Vollrausch selbst in die Hände von Profis. Dabei gibt es in fast jeder Stadt in Deutschland Beratungsstellen. Hier könnten sich die Betroffenen hilfesuchend an Fachleute wenden. Selbsthilfegruppen, anonyme Alkoholiker, Einzel- und Gruppentherapien sind nur einige Möglichkeiten.

Wie erwähnt werden derzeit rund 7% in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen gepflegt. Experten sagen, dass es sich hierbei oftmals um die „Wirtschaftswunder-Generation“ handelt, in welcher es nicht nur „normal“ war Alkohol zu konsumieren, sondern obendrein ein Zeichen von Wohlstand war. Der andere Teil kämpft mit einem schweren Verlust oder der Verarbeitung von z.b. traumatischen (Kriegs-) Erlebnissen. Die Grenze zwischen Genuß- und Suchtverhalten ist eher schwimmend. Die Alarmglocken sollten läuten, wenn der Alkohol den Tagesablauf bestimmt und man selbst stets Alkohol in Reichweite deponiert. Somit sei gegen ein Feierabendbierchen nichts einzuwenden.

Die Alkoholsucht wird zunehmend zum Problem in den Alteneinrichtungen, alleine schon, weil ein betrunkener Patient einen deutlich höheren Aufwand bedeute. Doch das Suchtverhalten ist auch im Alter noch zu regulieren, gerade wenn die Sucht z.b. erst nach dem Verlust einen Menschen eingetreten ist. Dann greifen Therapien wohl noch sehr gut.

Auch in Pflegeeinrichtungen ein Problem/Alkoholsucht/Foto: Domizilsuche.de

Schwieriger wird es, wenn die Kinder bereits in 2. oder 3. Generation trinken, wachsen diese doch mit Alkohol auf. Alkohol wird dann als etwas „Normales“ angesehen und biete bei Problemen stets einen „Ausweg“.

Unter dem Motto „Lieber joggen als trinken“ gibt es bereits Therapieansätze, die zum Erfolg führen können. In Essen gibt es erste Kooperationen zwischen Pflegeeinrichtungen und einem Klinikum. Hier wurden erste Suchtkranke bereits erfolgreich therapiert. Das sollte Schule machen.

Alkohol ist keine Lösung, gehört jedoch irgendwie immer zu unserer Gesellschaft – zumindest wird der Eindruck erweckt.

Quelle: Der Westen