Berlin(gk) Schon einmal berichtete Dewia hier bereits über die zunehmende Zahl der Insolvenzen bei Senioren. Auch das Flaschensammeln zur Rentenaufstockung war schon ein Thema. Nun wird es „amtlich“ – immer mehr Senioren müssen jobben, damit sie (über-)leben können. Das die Aussichten für die künftige Rentner düster sind, Stichwort „Altersarmut„,  lassen wir einmal außen vor.

Zur Rente unter Palmen - für viele nur ein Traum?

Nach Angaben der Bundesregierung stockten im vergangenen Jahr 661.000 Rentner ihre Rente mit einem Minijob auf. Fast 60 Prozent mehr, als vor 10 Jahren. Aktuell leben ca. 20 Millionen Rentner in Deutschland.

Von wegen „Ruhestand“, davon sind viele entfernt hat nun die Linkspartei nach Abfrage dieser Daten festgestellt. Für den rentenpolitischen Sprecher der Linkspartei, Matthias Birkwald, ist ein völlig verfehlte Wirtschaftspolitik schuld. „Schuften bis zum Tode“ könnte es für künftige Rentner heißen.

Selbstverssändlich widerspricht das zuständige Ministerium

Klaus Ernst, Parteichef der Linkspartei, fordert eine Mindestrente angesichts der sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung. „Wer sein Leben lang in die Rente eingezahlt hat, darf im Alter nicht mit Sozialhilfe abgespeist werden“ betonte Ernst in der Frankfurter Rundschau.

Unter Berufung auf die Antwort auf diese kleine Anfrage der Linkspartei, haben langjährige Versicherte im Jahr 1995 noch einen Rentenanspruch in Höhe der doppelten Sozialhilfe gehabt. Bis zum Jahr 2000 konnte man dieses Niveau annähernd halten. Seit dem Jahr 2000 nähere man sich mehr und mehr dem Niveau der Grundsicherung. Die Grundsicherung erhalten ältere Menschen anstelle von Sozialhilfe. Einziger „Vorteil“ liegt hier bei den Angehörigen – die Grundsicherung muss von selbigen nicht zurückgezahlt werden bzw. wird nicht von den Kindern zurückverlangt.. Welch ein Trost.

Liegt ein langes Arbeitsleben vor den Rentnern?

Das Ministerium wies die Vorwürfe zurück und sieht die Daten „falsch interpretiert“. Demnach sei die Zahl der über 65-jährigen in der Zeit von 2000 bis 2010 um 3 Millionen Menschen gestiegen. Somit habe sich der Anteil derer, die mittels Minijob die Rente aufstocken müssen, von 3 Prozent auf „nur“ 3,9 Prozent verändert. „Ein leichter Anstieg sei zu verzeichnen“. Die Zahl der Empfänger der Grundsicherung liege seit dem Jahr 2007 „konstant“ bei ca. 400.000 Menschen. Dem demographischen Wandel zum Trotze, hat sich hier die Zahl nicht maßgeblich nach oben orientiert, ganz im Gegenteil.

Vorsorge fürs Alter fehlt dennoch

Auch das DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) hat eher beruhigende Nachrichten und sieht keine besondere Not der Senioren. Die Armut bei den Alten ist demnach ungefähr so verbreitet, wie in der Gesamtbevölkerung sagt hierzu Karl Brenke, DIW-Experte.

Die Zunahme an Minijobs ist auch für Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), kein Beleg für soziale Not. Für viele könnte hinter dem Wunsch einen Minijob anzutreten, auch der Wunsch aktiv zu bleiben stecken.

Ein Problem jedoch bezeichnet Karl Brenke  – die Abnahme der Rentenansprüche. So werde die Schere zwischen der gesetzlichen Rente und der Grundsicherung kleiner. Bezeichnend hierfür sind u.a. die langen Arbeitslosenzeiten vor allem der jungen Menschen, die somit kaum bzw. keine Beiträge in die Rente einzahlen konnten, geschweige denn privat vorsorgen.

Quelle: Frankfurter Rundschau