Erftstadt(kb) Wenn Hauseigentümer in den Urlaub fahren, sorgen Housesitter für Sicherheit im Heim. Meist sind es Rentner, die sich um Haus, Garten und sogar die Tiere kümmern berichtet die „Welt“ in ihrer Ausgabe vom 02.08.2011. Ein Bericht von Katharina Bons.

Karl und Lilo Pellmann arbeiten als Haushüter. Foto: Katharina Bons

Am Anfang fühlt sich Lilo Pellmann doch immer wie ein Eindringling. Vor allem, wenn sie zum ersten Mal die Schubladen in der fremden Küche öffnet. Dabei sind sie und ihr Mann sehr erwünscht. Sie werden sogar dafür bezahlt, es sich in fremden Häusern bequem zu machen.

Seit vier Jahren arbeiten die beiden Rentner als Haushüter. Sie ziehen ein, wenn ihre Auftraggeber in den Urlaub oder auf Geschäftsreisen fahren, kümmern sich um Tiere und Pflanzen, als ob es ihre eigenen wären, leeren den Briefkasten, stellen die Mülltonnen raus und sorgen dafür, dass das Haus bewohnt aussieht.

Etwa 800 bis 900 Haushüter bieten in Deutschland laut Kay Scepanik diesen besonderen Aufpassservice an. Der Erftstädter ist Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Haushüter-Agenturen, dem derzeit zwölf Unternehmen angehören. Bundesweit vermitteln gut 50 Agenturen Haussitter an vor allem wohlhabende Kunden.

Ein Qualitätssiegel gibt es nicht. Seriöse Agenturen müssten über eine Betriebshaftpflichtversicherung verfügen und im Notfall Ersatz für einen Haushüter arrangieren können, so Scepanik. Er selbst betreut 80 Haushüter, darunter die Pellmanns. Alle haben tadellose polizeiliche Führungszeugnisse und sind Rentner. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die Senioren sind zeitlich flexibel, verfügen über Lebenserfahrung und Verantwortungsgefühl und sind finanziell nicht auf den Minijob angewiesen.

Viel zu verdienen gibt es mit dem Homesitting nicht. 13 Euro erhalten die Pellmanns pro Tag. Die Hausherren kostet der Service zwischen 50 bis 60 Euro – je nachdem, wie viele Tiere zu versorgen sind und ob Zusatzaufgaben übernommen werden sollen. Auch die Anfahrtskosten müssen erstattet werden. Einen Teil der Aufwendungen können die Kunden von der Steuer absetzen.

Auf den Verdienst kommt es dem früheren Berufssoldaten und der gelernten Krankenschwester nicht an. „Ich wollte auch im Ruhestand nicht zu Hause sitzen und versauern“, sagt der 71-Jährige. „Wir wollen ein bisschen rauskommen, aber auch nicht mehr arbeiten“, ergänzt seine Frau. Bis zu sechs Aufträge übernehmen sie im Jahr. Im Schnitt werden sie für zwei bis drei Wochen am Stück engagiert.

Wenn die beiden von ihren bisherigen Einsätzen erzählen, ist ihnen anzusehen, wie viel Freude ihnen ihre neue Aufgabe macht. „Ich verliebe mich immer in die Hunde“, sagt die 69-Jährige, die aber auch schon ein Chamäleon umsorgt hat. „Und die Gartenarbeit ist mein Hobby.“

Haushüter dürfen auch den Pool benutzen

Früher hatten die Pellmanns selbst einen Hund und lebten mit ihren drei Kindern in einem eigenen Haus, nun wohnen sie in einer Mietswohnung mit Balkon. Ihre Auftraggeber residieren meist in großen Villen auf riesigen Grundstücken. Im Innern kommt sich die Remscheiderin oft wie in einem Einrichtungskatalog vor.

Sofa, Fernseher, Küche – alles dürfen die Haushüter mitbenutzen. Manchmal gibt es auch einen hauseigenen Swimmingpool. Zum Zeitvertreib nehmen sich die beiden Bücher und Laptop mit, Herr Pellmann packt auch seine Briefmarkensammlung ein. Übernachtet wird im Gästezimmer. Drei Stunden am Tag dürfen die Profiaufpasser das Haus verlassen, zum Beispiel um einzukaufen.

Bevor die Pellmanns auf Zeit einziehen, erhalten die Kunden einen Lebenslauf der beiden Rentner und lernen sie auch persönlich kennen. Gemeinsam mit der Agentur wird eine Checkliste erstellt. Die Senioren machen sich vorab via Google Earth ein Bild von dem Haus, auf das sie als nächstes aufpassen sollen.

Ihr letzter Einsatz führte die beiden Rentner nach Erkrath in das Haus eines Unternehmers. Die Auftraggeber wollen ihren Namen lieber nicht in den Medien lesen, mit der Arbeit der Pellmanns war die Hausherrin aber zufrieden. Seit sechs Jahren engagiert sie Haushüter, wenn sie mit ihrem Mann verreist. Ihr geht es vor allem darum, ihre Hündin in guten Händen zu wissen. Ein Pfötchenhotel will sie ihr nicht zumuten.

„Ich bin im Urlaub aber auch einfach beruhigter, wenn jemand im Haus ist. Es hat schon diverse Einbruchsversuche bei uns gegeben.“ Sein Hab und Gut fremden Leuten zu überlassen, dazu gehöre allerdings schon eine große Portion Vertrauen. „Aber wir lernen die Haushüter ja vorher kennen. Wenn die Chemie nicht stimmt und mir jemand unsympathisch wäre, dann würde ich es nicht machen. Bisher hatten wir aber immer Glück.“

44.769 Wohnungseinbrüche zählte die nordrhein-westfälische Polizei im vergangenen Jahr. Eine Steigerung von 8,9 Prozent gegenüber 2009. In der 25-jährigen Geschichte des Haushüter-Verbands hat es noch keinen Einbruch gegeben, während Haussitter vor Ort waren. „Das Haus bewohnt zu halten, minimiert das Risiko eines Einbruchs“, sagt Harald Nöh von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Düsseldorf.

Urlaubern, die sich keinen Haushüter-Service leisten können, empfiehlt er, es per Zeitschaltuhr und Beleuchtung so aussehen zu lassen, als ob jemand zu Hause sei. Das Wichtigste seien aber mechanische Sicherungen. Wem mulmig dabei zumute ist, seine Wohnung während des Urlaubs allein zurückzulassen, den kann der Polizist etwas beruhigen. Rein statistisch lasse sich der Spruch „Urlaubszeit gleich Einbruchszeit“ nicht halten. „Die meisten Einbrüche passieren in der dunklen Jahreszeit von Oktober bis März.“

Oft geht es auch um Tierbetreuung

Trotzdem sind Haushüter gerade in den Sommerferien stark nachgefragt. „In 60 Prozent der Fälle geht es auch um Tierbetreuung“, sagt Hans Hartung. Der 68-Jährige hat selbst 13 Jahre lang auf „Privatvillen und stinknormale Wohnungen“ aufgepasst, seit zwei Jahren ist er Mitinhaber einer Haushüter-Agentur in Münster.

Immer häufiger geht es seinen Kunden auch um die Betreuung von Angehörigen. Einen Pflegedienst oder Haushaltshilfen ersetzen die Haushüter aber nicht. Sie kaufen für ältere Familienmitglieder ein, leisten ihnen Gesellschaft oder sorgen dafür, dass sich die Kinder der verreisten Kunden an die Regeln halten.

Auch die Pellmanns haben schon mit den Kindern von Auftraggebern zusammen gelebt – problemlos. Einmal musste die 69-Jährige allerdings einen ihrer eigenen Söhne zur Hilfe rufen. Sie hatte auf die falsche Stelle eines hochmodernen Herds getippt. Nichts ging mehr. Ihr Sohn löste das Rätsel: Sie hatte die Kindersicherung aktiviert.

Seitdem lässt sich die Rentnerin immer eine kurze Einweisung in die High-Tech-Küchen geben. Trotz der Ausflüge in luxuriöse Anwesen freuen sich die Senioren allerdings immer, wenn sie wieder in ihrer eigenen Wohnung sind. Zu Hause ist es eben doch am schönsten.

Quelle: Welt