Kiel(gk) In Schleswig-Holstein verbringen pflegebedürftige häufiger ihr Leben in stationären Pflegeeinrichtungen, als anderswo. Diesem Umstand möchte nun die Politik in Person von Heiner Garg (FDP), Sozialminister, entgegenwirken. Schleswig-Holstein führt die Liste an – in keinem anderen Bundesland verbringen soviele pflegebedürftigen Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen.

Über 40% der rund 80.000 Pflegebedürftigen sind in Pflegeheimen untergebracht. Bundesweit ist es lediglich jeder Dritte. Nur 38 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause durch Angehörige betreut, etwa jeder Fünfte von ambulanten Pflegediensten. Ganz anders in Hessen: Dort wird nur jeder vierte Pflegebedürftige im Heim betreut, 75 Prozent hingegen in den eigenen vier Wänden. Das teilte die Techniker-Krankenkasse (TK) am Montag in Kiel unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit.

Warum jedoch im eher ländlich anmutenden Schleswig-Holstein, so wenig Senioren zu Hause gepflegt werden, darüber wird schon lange gerätselt. Laut Holger Rohde, Vizechef des kommunalen Pflegeverbandes, hat eine Erklärung. So sind es doch die vielen kleinen privaten Einrichtungen mit niedrigen Entgelten, die der Pflege zu Hause im Weg stehen.

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Sicherlich sind die Einrichtungen kleiner als in anderen Bundesländern und auch kostengünstiger, der aktuelle Leerstand von 6.000 bis 7.000 Plätzen spricht jedoch gegen diese These.

Zudem ist aufgefallen, dass rund 40% der Bewohner in der Pflegestufe I eingestuft sind. Eine Pflegestufe, in der oftmals der Besuch eines ambulanten Pflegedienstes ausreicht bzw. Angehörige hier selber pflegen/helfen könnten. Nicht ausschließen möchte Sozialminister Heiner Garg(FDP), dass Trägergesellschaften, die sowohl ambulante als auch stationäre Pflege anbieten, eher die „Betten voll machen“, da dies finanziell lukrativer sei.

Garg fordert nun mehr Betreuung durch Angehörige. Kein leichtes Unterfangen, zumal nicht alle pflegebedürftigen Angehörige haben – und wenn sind sie oftmals nicht greifbar.  Ihm schwebt ein ausgewogener Mix von pflegenden und betreuenden Angehörigen (20%), Familienpflege (15%), ambulanten Pflegediensten(35%) und stationären Einrichtungen (30%) vor.

Nicht selten jedoch fehlt es Angehörigen an Aufklärung und Wissen um die Möglichkeiten. In Niedersachsen werden hierzu seit 2008 Seniorenbüros eingerichtet, um Angehörige und Betroffene u.a. im Rahmen der Wohn- und Pflegeberatung zu informieren. Diesen Zug hat Schleswig-Holstein ein wenig verpasst. Die wenigen Dienstleistungsunternehmen die es im Lande hierzu gibt, werden vielleicht noch zu selten genutzt und nicht entsprechend gefördert.

Da müssen sich alle wahrscheinlich  erst einmal aneinander gewöhnen, bis Betroffene die Angebote wahrnehmen.