Ingenbroich So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben wünschen sich wohl die meisten Menschen. Leider stehen dem oft altersbedingte, gesundheitliche Einschränkungen entgegen. Da werden selbst wenige Stufen plötzlich zu unüberwindlichen Hindernissen für einen Rollator, Türen zu schmal für einen Rollstuhl und vor allem das Bad ist nur selten senioren- und behindertengerecht ausgestattet.

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Zunehmende Pflegebedürftigkeit stellt auch die Angehörigen vor Herausforderungen. Durch vielfältige Maßnahmen von geeigneten Wohnungsumbauten bis zur Organisation häuslicher Pflege ist es häufig möglich, einen Umzug in ein Heim zu verhindern oder zumindest noch hinauszuzögern.

Drei Informationszentren

Spezielle Förderprogramme, aber auch die Pflegeversicherung können dabei helfen. Information und Unterstützung in allen damit zusammenhängenden Fragen bieten die Pflegestützpunkte NRW. Die Städteregion sowie Kranken- und Pflegekassen haben in der Region drei dieser Informationszentren eingerichtet, eines befindet sich beim Amt für soziale Angelegenheiten im Haus der Städteregion in der Zollernstraße.

Im vierköpfigen Team der Pflegeberatung ist Stephan Löhmann schwerpunktmäßig für den Südkreis zuständig, Yvonne Berg ist eine der Ansprechpartnerinnen in der Wohnberatung.

Der «Fall» Martha Victor aus der Grünenthalstraße in Imgenbroich ist für sie ein gelungenes Beispiel, wie Wohnraumanpassungsmaßnahmen, wie es im Amtsdeutsch heißt, erfolgreich umgesetzt werden können. Martha Victor, die in wenigen Tagen 88 Jahre alt wird, ist eine lebhafte alte Dame, die ihr Leben mit Humor und Tatkraft meistert.

«Man lässt sich ja nicht hängen», ist ihr Wahlspruch. Tägliche Zeitungslektüre, Fernsehen – am liebsten Quizsendungen zum Mitdenken – und regelmäßiges Kartenspiel mit den Freundinnen halten sie geistig rege, aber sie ist nicht mehr sicher auf den Beinen. Für jeden Schritt ist sie auf einen Rollator angewiesen. Das machte ihr Verbleiben in dem 1949 erbauten Fachwerkhaus in der Grünenthalstraße zum Problem. Tochter Inge Theißen, selbst in der Pflege tätig, kannte die richtigen Ansprechpartner und wandte sich an den Pflegestützpunkt. Dass die beantragte Pflegestufe abgelehnt wurde, kann sie zwar nicht nachvollziehen, aber zusammen mit Yvonne Berg konnten doch gute Lösungen für eine Anpassung der Räumlichkeiten an die Bedürfnisse ihrer Mutter gefunden werden.

Der Umbau erfolgte in zwei Abschnitten, die separat gefördert wurden. Zunächst wurden innerhalb des Hauses die Voraussetzungen geschaffen, dass sich Martha Victor hier mithilfe ihres Rollators wieder eigenständig versorgen konnte. Größtes Problem waren die drei Stufen, die in die Küche hinunterführten. Da hatte es schon mehrfach böse Stürze mit unter anderem einem Oberschenkelhalsbruch als Folge gegeben. Während die alte Dame nach einer schweren Erkrankung zu einer dreiwöchigen Kur weilte, hielten die Handwerker Einzug.

Zweckmäßige Küchenzeile

Stolz führt Martha Victor heute durch ihr neues kleines Reich. Die ehemalige Nähstube ihres Mannes Otto Victor, vielen Imgenbroichern noch als Schneider in Erinnerung, wurde zu einer behaglichen Wohnküche umgebaut. Neu ist hier die zweckmäßige Küchenzeile, ansonsten konnte sie ihre geliebten Möbel behalten.

Aus dem dahinterliegenden, ehemaligen Wohn- und Esszimmer wurde ein geräumiges Schlafzimmer mit einem behindertengerechten Bad, das sie barrierefrei erreichen kann. Zu den Gesamtkosten von 21.000 Euro gab es einen Zuschuss von 3000 Euro, so dass hier auch die beiden Töchter in die Tasche gegriffen haben.

In einem zweiten Schritt wurden die beiden ins Haus führenden Treppenstufen durch eine Rampe ersetzt, die voll aus Fördergeldern finanziert werden konnte. Nun kann Martha Victor wieder täglich einen kleinen Rundgang machen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Seit März 2011 gelten neue Förderrichtlinien, berichtet Stephan Löhmann. Gefördert werden jetzt nicht mehr Einzelmaßnahmen wie noch bei Martha Victor, sondern in Abhängigkeit von Einkommen und Vermögen wird eine jährliche Fördersumme in Höhe von 5000 Euro unabhängig von der Anzahl der Anpassungsmaßnahmen gewährt.

Infos im Flyer

Anträge können gestellt werden von Personen, die älter als 60 Jahre sind und wegen Altersbeschwerden oder Pflegbedürftigkeit ihren Wohnraum umgestalten müssen. Der Pflegestützpunkt der Städteregion ist zu erreichen unter pflegestuetzpunkte@staedteregion-aachen.de oder telefonisch unter 0241/5198-5074. Alle Informationen sind auch in einem übersichtlichen Flyer zusammengefasst, der in vielen öffentlichen Gebäuden ausliegt.

Quelle: Aachener Zeitung