Nürnberg Oft reichen schon kleinere Veränderungen, um die Wohnung anzupassen — Größere Umbauten sollte man früh planen raten die Nürnberger Nachrichten. Am liebsten möchten Senioren auch im hohen Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Aber längst nicht alle Wohnungen und Häuser sind dafür geeignet.

Rund zwei Drittel der Bundesbürger wollen nach einer aktuellen Umfrage von TNS-Emnid mit wachsendem Alter gern in den gewohnten vier Wänden bleiben. Aber nach Angaben des Bundesverbands freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) sind derzeit gerade einmal ein Prozent aller Wohnungen altersgerecht ausgestattet. Und die Verbraucherschützer von Stiftung Warentest kommen zum Fazit: „99 Prozent der Wohnungen in Deutschland sind nicht geeignet, um im Alter darin zu leben.“ Neben der energetischen Sanierung wird nach Ansicht von Fachleuten der altersgerechte Umbau in den nächsten Jahren das bestimmende Thema für die Immobilienwirtschaft, aber auch für zahlreiche Haus- und Wohnungseigentümer sein.

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Können bestehende Wohnungen seniorengerecht umgebaut oder umgestaltet werden? Wohnungsanpassung lautet hier der Fachbegriff. Doch nach den Erfahrungen von Petra Sörgel, Beraterin für Wohnungsanpassung bei der Nürnberger wbg-Gruppe, können sich viele Menschen nichts darunter vorstellen. In den vergangenen Jahren haben sich jeweils nur rund ein Dutzend Interessenten bei der erfahrenen Sozialpädagogin gemeldet, um mit ihr über die Möglichkeiten der Anpassung ihrer vier Wände an ihre veränderten Wünsche und Anforderungen zu sprechen.

„Schwerpunkt für Umbaumaßnahmen sind dabei meist nur die Badezimmer“, sagt sie. Statt der im Alter immer schwerer benutzbaren Badewanne wird eine ebenerdige Dusche benötigt, dazu Haltegriffe und mehr Bewegungsfläche. Dabei könnte die ganze Wohnung den veränderten Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden. So lassen sich viele Hürden und Stolperfallen wie Teppiche oder Fußläufer entweder beseitigen oder befestigen. Auch geeignetes standfestes Mobiliar ist in der Regel problemlos zu beschaffen. Oft kann bereits das Umräumen das Leben erheblich erleichtern, etwa durch zugängliche technische Geräte wie Geschirrspüler oder Backofen in der Küche, die auch ohne tiefes Bücken zu bedienen sind. Und als hilfreich erweisen sich Haltegriffe nicht nur im Bad, sondern auch im Flur oder bei der Tür zum Balkon.

Häufig, so Katrin Hodler, Vorstandschefin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung, sei den Menschen gar nicht klar, was sie tun könnten, um ihr Wohnumfeld ihren Bedürfnissen anzupassen. Auch persönliche Erinnerungen spielen häufig eine Rolle. Sörgel erzählt: „Da will sich eine Mieterin eben nicht vom Ehebett trennen, auch wenn durch ein schmaleres Bett mehr Bewegungsfläche geschaffen würde. Auch nach dem Tod ihres Mannes soll das vertraute Doppelbett seinen Platz behalten.“

Große Umbauten sind in vielen Wohnungen gar nicht erforderlich, völlige Barrierefreiheit ist nach Einschätzung von Stiftung Warentest nur bei rund zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich. Für alle anderen reichen meist schon kleinere Veränderungen, um im Alter selbstständig und sicher wohnen zu können.

Problem mit der Hausbank

Während sich viele Kleinigkeiten zur seniorengerechten Umgestaltung des eigenen Zuhauses auch noch im Alter umsetzen lassen, sollten größere Umbauten schon in jüngeren Jahren ins Auge gefasst werden. Nach Erfahrungen von Fachberaterin Hodler ist es ideal, sich bereits mit Mitte 50 oder Anfang 60 Gedanken über eine sinnvolle Umgestaltung des Wohnraums zu machen. Im höheren Alter, bestätigt wbg-Mitarbeiterin Sörgel, scheuten Mieter die Belastung durch Bauarbeiten und Schmutz.

Für die Eigentümer von Wohnung oder Haus stellt sich in der Regel dann die Finanzierungsfrage. Sicherlich übernehmen Krankenkassen, Pflegekasse oder bei Unfällen auch die Unfallversicherung die Kosten für Hilfsmittel, aber bei größeren Umbaumaßnahmen dürfte es nach Einschätzung Hodlers schwierig sein, im höheren Alter noch problemlos entsprechende Kredite der Hausbank zu bekommen.

Quelle: Nürnberger Nachrichten / Dewia.de