Berlin(gk) Vor kurzem strahlte das Erste zu gewohnter Zeit, die Sendung von Anne Will aus. Das Thema „Wenn Svetlana Opa pflegt – letzter Ausweg illegale Pflege“ lehnte an den zuvor ausgestahlten Tatort an. Hier ermordete ein Demenzkranker Herr seinen Sohn. Und gepflegt wurde er von Theresa aus Osteuropa. Nachlese von Gregor Kloeters, GF der Internetplattform www. dewia.de.Die Sendung hat nicht allzuviel Neues hervorgebracht. Unabhängig von den geladenen Gästen, war der Ausgang vorauszusehen. Eingeladen waren Daniel Bahr, Bundesgesundheitsminister, Michael Jürgs, Publizist und Autor eines Buches über Demenz, Elisabeth Niejahr, Journalistin der „Zeit“, Nare Yesilyurt, Leiterin eines multikulturellen Pflegedienstes in Berlin und Erika Weber, pflegt ihren dementiell erkrankten Ehemann seit Jahren.
Der Gesundheitminister, seit ein paar Wochen im Amt, kann nicht mehr dazu sagen, als er getan hat. Mehr konnte er in der „Kürze“ sich nicht anlesen, ist er doch erst ein paar Wochen im Amt. Das Familien mehr herangezogen werden müssen/sollen, ist doch sehr abwägig. Durch die Famiienverprengung in Deutschland und, wie Frau Niejahr erwähnte, mehr Singlehaushalte, wird dies so nicht aufgehen. Auch der Wunsch nach Ehrenamt wird sich wahrscheinlich nicht in dem benötigten Ausmaß erfüllen.

Herr Jürgs war meiner Meinung nach ein wenig fehl am Platz, ebenso wie Frau Niejahr. Ausser ein wenig Publizismus kam ja nicht viel produktives.

Frau Weber, mit dem Glück weniger pflegender Angehöriger ausgestattet (Ehemann war Beamter, sie geht ihrer Arbeit normal nach), schilderte recht eindrucksvoll den Tagesablauf. Eine Frau Schmitz, die Aufgrund der Pflege ihres Vaters ihren Beruf hat aufgeben müssen und von Hartz IV leben muss, wäre aus meiner Sicht ein wenig näher an der Mehrheit der pflegenden Angehörigen gewesen.

Frau Yesilyurt, Chefin von 230 Angestellten, wollte mal kurz 5,5 Leute zur, überwiegenden, Betreuung und Pflege eines Patienten abstellen – für mehr als 13.000 Euro. Hierbei sind jedoch die Personalkosten noch deutlich höher, somit müsse sie derartige Nachfragen ablehnen. Jobmotor 24 Stundenpflege. Interessant war die Aussage, dass man 5 „Pflegehilfskräfte“ benötigt.

Foto: Werner Tigges, Pflegefachmann

Insgesamt wurde immer von illegaler Pflege gesprochen. Von den bislang legalen Pflegekräften wurde gar nicht berichtet. Warum nur?
Arbeiten doch verschiedene Trägergesellschaften bereits mit Agenturen zusammen. Kann doch dann nicht so illegal sein oder? Einigen Krankenkassen wird dies auch nachgesagt – bislang ohne Beweis.
Warum dann so eine Panikmache? Es gibt legale Möglichkeiten für weit unter 13.000 Euro. Und der Vorschlag, dass österreichische Konzept zu übernehmen, klingt doch logisch. Somit wird s noch legaler. Und die Familien werden entlastet. Was nutzt eine Kur dem pflegenden Angehörigen, wenn er doch gebraucht wird, wie Frau Weber? Und mit dem Patienten in Kur fahren – ja da kann ich mich auch in den Garten setzen und den Vögeln lauschen.
Letztlich wird man privat vorsorgen müssen, so oder so. Die Vererbe-Generation stirbt aus und der gemeine Bürger hat das Geld nicht, sich um einen Familienangehörigen zu kümmern.

Achja, es gibt ja die Grundsicherung…hab ich glatt vergessen….
Ich bin der Meinung, dass nicht der „Pflegenotstand“ oder die Billig-Löhne in der Pflege alleine das Problem sind. Vielmehr geht es um Betreuung, Haushalt und einfach „da sein“. Und genau hier sehe ich das Problem, dass hier Menschen fehlen, die dies im Auftrag der Angehörigen übernehmen können und wollen – für Geld natürlich.
Diese Dienstleistung, die es übrigens mehr und mehr in Deutschland gibt, wird selten durch die Pflegekassen so finanziert, dass man auch ein Auskommen mit dem Einkommen hat. Auch eine Ansatz….

Wer die Sendung verpasst hat: Anne Will vom 05.06.2011 

Quelle: http://blog.dewia.de