Ein unterschätztes Problem
Das Thema Pflege gewinnt immer mehr an Brisanz

Das Thema Pflege - Ein unterschätztes Problem - Foto: djd/Ergo Direkt Versicherungen
Die Bundesbürger werden im Durchschnitt immer älter. Mit der Zahl der Hochbetagten steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen dramatisch an.
Foto: djd/Ergo Direkt Versicherungen

(djd/pt). Die Bundesbürger werden im Durchschnitt immer älter. Was auf den ersten Blick positiv klingt, hat allerdings auch seine Schattenseiten. Denn mit der Zahl der Hochbetagten steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen dramatisch an. Dieses gesellschaftliche Problem wird aber von den Bundesbürgern deutlich unterschätzt. In einer TNS-Emnid-Umfrage für die Ergo Direkt Versicherungen vermuteten 87 Prozent der Befragten, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 um maximal 50 Prozent erhöhen werde. Tatsächlich könnten 2050 aber schon 4,5 Millionen Bundesbürger auf Pflege angewiesen sein – das ist in etwa eine Verdoppelung gegenüber den Zahlen von heute. Aufgrund der demographischen Veränderungen wird das Thema Pflege also immer drängender – die Auswirkungen auf die kommenden Generationen lassen sich nur schwer abschätzen. Entsprechend groß war der Informationsbedarf beim Expertentelefon zum Thema Pflege.

Viele Anrufer wollten beispielsweise wissen, worauf sie achten müssen, wenn sie kurz- oder mittelfristig einen Heimplatz für ihren pflegebedürftigen Angehörigen suchen müssen. Heiko Rutenkröger: „Das Heim muss Leistungen anbieten, die den Bedürfnissen und Gewohnheiten des Betroffenen gerecht werden. Man sollte sich deshalb auch intuitiv einen Eindruck von der Atmosphäre im Haus machen und sich fragen, ob sich der Betroffene hier wohl fühlen wird“. Bei zahlreichen Anrufen ging es zudem ganz konkret um die Aufnahme in eine Pflegestufe. Bei einem Anrufer wurde vor anderthalb Jahren der entsprechende Antrag abgelehnt.
Heiko Rutenkröger: „Sie können bei der Pflegekasse erneut einen formlosen Antrag auf Anerkennung einer Pflegestufe stellen. Das Prüfverfahren wird dann wieder in Gang gesetzt.“

Frühzeitig absichern

Auf die dramatischen Folgen des demographischen Wandels stellt sich auch finanziell noch kaum jemand ein. Alexander Winkler von der DKV rät deshalb dazu, sich frühzeitig auf den Ernstfall vorzubereiten: „Je jünger und je gesünder man ist, desto besser ist der Zeitpunkt zum Abschluss einer Pflegezusatzversicherung.“ Das Spektrum der Pflegezusatzversicherungen ist weit, man kann beispielsweise nur einzelne Pflegestufen absichern oder alle. Alexander Winkler empfiehlt allerdings eindeutig eine Pflegetagegeld- statt einer Pflegekostenversicherung: „Nur durch die Pflegetagegeldversicherung bekommt man einen bestimmten Betrag im Monat zur Verfügung gestellt, mit dem die Versorgung nach eigenem Ermessen sichergestellt werden kann. Niemand schreibt vor, ob das Geld für einen Pflegedienst, Hilfsmittel für Inkontinenz, die Miete für betreutes Wohnen oder andere Leistungen genutzt wird.“ Die Verbraucherschützer von „Finanztest“ (Heft Februar 2011) nahmen Pflegetagegeldversicherungen unter die Lupe. Nur zwei Tarife erhielten in allen vier untersuchten Modellfällen das Qualitätsurteil „gut“, einer davon war der Tarif „PET“ der DKV.

Demenz: Betreuung rund um die Uhr

Im Gleichschritt mit der insgesamt stark steigenden Zahl der Pflegebedürftigen wird sich auch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf etwa 2,2 Millionen verdoppeln. Im schlimmsten Fall werden die Menschen in ihrer Alltagskompetenz wieder zu Kleinkindern und müssen rund um die Uhr betreut werden. Für die Angehörigen ist dies eine enorme Belastung. Dieter Sprott von den Ergo Direkt Versicherungen: „Die Betroffenen werden häufig nicht in eine Pflegestufe für körperlich Pflegebedürftige eingestuft und erhalten damit keine entsprechenden typischen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung.“ Mit privaten Zusatzpolicen kann man aber auch hier die finanziellen Folgen zumindest lindern. Dieter Sprott: „Aus unserem Hause gibt es beispielsweise eine Demenzgeld-Versicherung. Sie tritt ein, sobald ein Facharzt bei dem Versicherten eine mittelschwere Demenz festgestellt hat.“ Der Versicherte oder die Angehörigen können frei entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben.

Entlastung für pflegende Angehörige

Über diese finanziellen Leistungen können sich pflegende Angehörige effektiv entlasten lassen. Heike Bohnes: „Man kann sich bei der Pflege etwa von einem Pflegedienst unterstützen lassen oder eine Tagespflege in Anspruch nehmen.“ Seit dem 1. Mai 2011 hat sich auch die Rechtslage für qualifizierte Vollzeitkräfte, welche die Pflege rund um die Uhr übernehmen, geändert. Heike Bohnes: „Nun gilt die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Pflegekräfte aus Osteuropa beispielsweise können jetzt mit den Pflegebedürftigen direkt Arbeitsverträge abschließen. Dadurch entsteht dann ein reguläres Arbeitsverhältnis mit Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht.“

Am Telefon saßen für Sie:

Heiko Rutenkröger, Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) - Foto: djd

Heiko Rutenkröger, examinierter Altenpfleger
und Diplom-Pflegewirt, Leiter des Fachbereichs Pflege
im Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), Köln.
 

Alexander Winkler, Deutschen Krankenversicherung (DKV) - Foto: djd

Alexander Winkler,
Gruppenleiter Stab Pflegeversicherung
bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV), Köln.
Experteninterview mit Alexander Winkler und Dieter Sprott

Dieter Sprott, Ergo Direkt Versicherungen - Foto: djd

Dieter Sprott,
Experte für Zusatzversicherungen
bei den Ergo Direkt Versicherungen, Fürth.
 

Heike Bohnes, unabhängige Sachverständige für Pflege - Foto: djd

Heike Bohnes, staatlich anerkannte Altenpflegerin, Diplom-Sozial- arbeiterin, geprüfte, unabhängige Sachverständige für Pflege, Aachen. Chefredakteurin der Informa- tionsdienste „Demenz – Pflege und Betreuung zuhause“ und „Stationäre Pflege aktuell“.
Experteninterview mit Heike Bohnes zum Thema: Pflege
 

Weitere Informationsquellen für Interessierte:

www.kda.de (Homepage des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Das KDA setzt sich seit 1962 dafür ein, die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern und ist auf diesem Gebiet eine der führenden Institutionen Deutschlands).

www.dkv.de (Homepage der Deutschen Krankenversicherung (DKV). Die Pflegetagegeldtarife „PET“ des Kölner Anbieters erhielten von „Finanztest“ bereits mehrfach das Qualitätsurteil „gut“).

www.ergodirekt.de (Homepage des Direktversicherers Ergo Direkt Versicherungen. Zur Produktpalette des Anbieters aus Fürth zählt auch eine spezielle Demenzgeld-Versicherung).

Quelle: djd – Ergo Direkt Versicherungen