Anschuldigungen und Wut nicht persönlich nehmen

Alzheimer erkennen - Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de
Menschen mit Alzheimer verhalten sich trotz liebevoller Pflege oftmals misstrauisch und aggressiv.
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Menschen mit Alzheimer verhalten sich trotz liebevoller Pflege oftmals misstrauisch und aggressiv. Für die betreuenden Angehörigen ist ein solches Verhalten besonders belastend, wenn sie dies als persönlichen Angriff werten. Dabei sind die Anschuldigungen und Wutanfälle des Kranken vielmehr Ausdruck von Frust und Hilflosigkeit.

Bei der Alzheimererkrankung gehen nicht nur die kognitiven Fähigkeiten verloren, also Gedächtnis, Ausdrucksvermögen, Orientierung und Urteilsfähigkeit. Auch das Verhalten ändert sich. So kann aus einem selbstbewussten, ausgeglichenen Menschen ein launischer, ängstlicher oder misstrauischer Kranker werden. Als besonders belastend empfinden viele pflegende Angehörige, wenn der Kranke sie immer wieder mit falschen Anschuldigungen konfrontiert – etwa weil er seine Brille oder seine Geldbörse nicht findet. „Dieses Verhalten ist reiner Selbstschutz und richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen den Familienangehörigen“, so Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Seniorenliga. „Alzheimerkranke müssen damit leben, dass sie nach und nach ihre Kompetenzen verlieren. Das ist frustrierend und beängstigend. Oftmals wissen sich die Betroffenen nicht anders zu helfen, als ihre eigene Unzulänglichkeit auf andere zu schieben.“ Die Frustration kann so tief sitzen, dass sie in Aggressionen oder gar Gewalt mündet.

Mit Aggressionen umgehen

Auch wenn die Anschuldigungen verletzend und absurd sind, sollten die betroffenen Angehörigen nicht mit dem Kranken diskutieren. Besser ist es, die Vorwürfe zu ignorieren und stattdessen eine pragmatische Lösung zu finden. Mitunter genügt es, den Patienten abzulenken oder sich selbst aus der Situation herauszuziehen, bis der Kranke sich beruhigt hat. Gewaltausbrüche müssen die Angehörigen allerdings nicht tatenlos hinnehmen – hier gilt es, bestimmt aufzutreten und Grenzen zu setzen. „Um solch schwierigen Situationen auf Dauer gewachsen zu sein, sollten die betreuenden Bezugspersonen sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das kann eine Betreuungsgruppe sein, die der Demenzkranke einmal wöchentlich besucht, oder eine Pflegekraft, die den Kranken stundenweise versorgt“, rät Hackler. „Außerdem sollten die Angehörigen den Arzt einbeziehen, wenn sich Wutanfälle und körperliche Auseinandersetzungen häufen. Bestimmte Medikamente, die bei der Alzheimererkrankung eingesetzt werden, verbessern nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern lindern auch Stimmungsschwankungen und unkontrollierte Gefühlsausbrüche.“

Aggressionen vorbeugen

Um Aggressionen bei Alzheimerkranken möglichst zu vermeiden, gilt es alles zu unterlassen, was Frustration und Unsicherheit schüren könnte. So ist es von großer Bedeutung, dem Patienten mit Würde zu begegnen. Auch wenn sein Verhalten in einigen Bereichen an das eines Kindes erinnert, sollten die Bezugspersonen ihn keinesfalls so behandeln. Im Gegensatz zu Kindern, die ihre geistigen und sozialen Kompetenzen durch Lernen erweitern, verlieren Alzheimerkranke diese Fähigkeit. Belehrungen und Erziehungsversuche sind daher sinnlos und führen den Betroffenen allenfalls ihre Defizite vor Augen. Wichtig ist es hingegen, den Alzheimerkranken in seinen verbliebenen Fähigkeiten zu bestärken und in das Familienleben aktiv einzubeziehen. Viele Patienten können einfache Hausarbeiten wie Abtrocknen oder Staubwischen noch lange ausführen und haben Freude daran, wenn sie gebraucht werden. Ebenso sinnvoll sind gemeinsame Aktivitäten wie Singen, Basteln oder Spaziergänge. Ein fester Tagesrhythmus und eine ruhige, liebevolle Atmosphäre im Haus vermitteln den Kranken ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Auf Reizüberflutung durch laute Musik oder Fernsehen sowie die Konfrontation mit vielen Menschen sollten Angehörige hingegen verzichten.

Broschüre: Alzheimer erkennen - Deutsche Seniorenliga
DSL-Broschüre: Alzheimer erkennen

Alzheimer erkennen

Meist beginnt es mit kleinen Erinnerungslücken. Später verlieren die Betroffenen Zeitgefühl und Orientierung. Im Endstadium sind sie oft völlig hilflos: Etwa eine Million Deutsche leidet an der Alzheimer-Krankheit. In 20 bis 30 Jahren wird sich nach offiziellen Schätzungen diese Zahl beinahe verdoppelt haben.

Auch wenn eine Heilung der Alzheimer-Krankheit nach dem heutigen Stand der Medizin nicht möglich ist, bedeutet dies nicht, dass man dem geistigen Abbau tatenlos zuschauen sollte. Je früher die Alzheimer-Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Chance, den Krankheitsprozess zu verlangsamen und die Alltagskompetenz der Betroffenen möglichst lange zu erhalten. Doch leider wird in Deutschland nur ein Bruchteil der Alzheimer-Patienten adäquat behandelt. Dabei stehen heute wirksame Arzneimittel und effektive Therapien zur Verfügung, die einerseits einen Zugewinn an Zeit und Lebensqualität für den Patienten bedeuten und andererseits eine Erleichterung der Pflege darstellen.

Neben den behandelnden Ärzten sind vor allem Angehörige gefordert, erste Anzeichen der Alzheimer-Demenz frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit dem Betroffenen ärztlichen Rat einzuholen. Mit der Broschüre „Alzheimer erkennen“ und unserer Website wollen wir Angehörigen und Betroffenen helfen, Warnsymptome einer Alzheimer-Erkrankung richtig zu deuten und bei Verdacht auf Alzheimer entsprechende Schritte einzuleiten.

Nähere Informationen über typische Merkmale der Alzheimererkrankung bietet die Broschüre „Alzheimer erkennen“, angeboten von der Deutschen Seniorenliga. Die Broschüre ist kostenlos und kann postalisch, im Internet oder telefonisch bestellt werden.

Bestelladresse: Deutsche Seniorenliga, Heilsbachstrasse 32 in 53123 Bonn.
Download im Internet: www.dsl-alzheimer.de
Bestell-Hotline: 01805 – 001 905
(0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend)