Siegen (dpa) – Trotz Krankheit nicht zum Arzt? Die Praxisgebühr und weitere Zuzahlungen halten laut einer Studie in Deutschland fast jeden Achten trotz Beschwerden vom Arztbesuch ab.

Zudem schwächten die Zuzahlungen auch das generelle Vertrauen ins Gesundheitssystem. In Deutschland fehle jedem Vierten das Vertrauen, bei einer schweren Erkrankung ausreichend medizinisch versorgt zu werden, sagte Wendt. Vor allem bei Einkommensschwachen wirken die privaten Zuzahlungen als Barriere. Das berichtete der Siegener Soziologe Claus Wendt am Dienstag (19. April) auf der Grundlage einer neu ausgewerteten Befragung aus dem Jahr 2008 mit 1000 Teilnehmern.

Wendt hatte mit seinem Team Befragungen aus verschiedenen Ländern ausgewertet. In den USA, Großbritannien, Neuseeland, Australien, den Niederlanden und der Bundesrepublik waren 15 000 Menschen befragt worden. In den Niederlanden fühlen sich die Menschen am besten versorgt. Dort hatten nur 1,5 Prozent der Befragten trotz Beschwerden keinen Arzt befragt. In Großbritannien lag der Anteil bei 1,8 Prozent. In Deutschland verzichteten 11,7 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben trotz Beschwerden in den zwölf Monaten vor der Befragung wegen der Zuzahlungen auf einen Arztbesuch. Im größtenteils auf Privatversicherungen basierenden Gesundheitssystem in den USA waren es sogar 24,6 Prozent.

Der Wissenschaftler hält aus Kostengründen gestrichene Arztbesuche unter dem Strich für kontraproduktiv. Langzeitstudie brächten vermutlich das Ergebnis, dass dies wegen der Folgekosten teurer für das System werde, sagte Wendt. «Erste Ergebnisse von Untersuchungen aus den USA legen das nahe.»

Quelle: n-tv.de / dpa