Berlin Ab dem 01. Juli 2011 fällt bekanntlich die Wehrpflicht und somit auch der Zivildienst weg. Nun wird ein „altes“ Thema noch einmal neu aufgerollt: Hartz IV-Empfänger sollen die wegfallenden Zivildienstleistenden in der Pflege ersetzen. Diese Diskussion befindet sich nun in der 3. Runde. Bereits 2009 gab es den Vorstoß, mit Hartz IV-Empfängern gegen den drohenden Fachkräftemangel in der Pflege einzusetzen und entsprechend umzuschulen.

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Offiziell soll nun die Idee geprüft werden, ob man Hartz IV-Empfänger im gemeinnützigen Bereich einsetzen kann. Rechtlich zumindest – fachlich ist es eine ganz andere Frage.

Auch der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, begrüßt den Vorstoß: “Selbstverständlich muss Hartz-IV-Empfängern zugemutet werden können, auch im sozialen Bereich zu arbeiten – zumal dann, wenn sich Befürchtungen bestätigen sollten, dass es zum Sommer nicht genügend Bewerber für den neuen Bundesfreiwilligendienst gibt. Soweit eine ergänzende gesetzliche Regelung in Bezug auf den Bundesfreiwilligendienst notwendig ist, bin ich – bevor wir einen Pflegenotstand haben – sehr dafür.” (Quelle: Bild-Zeitung)

Den Pflegenotstand gibt es jedoch bereits seit mindestens 3 oder 4 Jahren. Die Idee, hierzu Langzeitarbeitslose zu „rekrutieren“ hat ja bereits das Pflegeweiterentwicklungsgesetz teilweise erfolgreich mit umgesetzt. Seit Einführung werden bundesweit Langzeitarbeitslose zu „Senioren- oder Alltagsbegleitern nach §87b Abs.3 SGB XI“ ausgebildet.

Der neue „Bundesfreiwilligen Dienst“ soll nun zusätzlich die fehlenden 35.000 Stellen jährlich neu besetzen – wohl eher mit mäßigem Erfolg. Jetzt der erneute Vorstoß, Langzeitarbeitslose in die Pflege zu schicken – getreu dem Motto „Pflegen kann Jeder“ – ob angestellt oder freiwillig. Ganz so einfach ist es in diesem sensiblen Arbeitsumfeld jedoch nicht, so Experten und Beschäftigte aus der Pflege. Nicht selten liest man, dass eine derartige Idee, „den Pflegeberuf herabstufen“ und die schwere dieser Arbeit, gerade auch im sozialen und psychosozialen Bereich, nicht richtig darstellen.

Nordrhein-Westfalen zum Beispiel, gedenkt hier eine gewisse Berufserfahrung von Pflegehelfern für ein späteres Examen „anzurechnen“ – vielleicht eher eine Lösung, als Menschen unter Druck in einem Bereich einzusetzen, in dem es nicht erst seit gestern, Fachpersonal zur Mangelware verkommt und es fraglich bleibt, ob man hier überhaupt noch mehr Hilfspersonal einsetzen kann.

 

Quelle: blog.dewia.de