Pflege, Pflegepersonal, 24-Stundenpflege

Für ein menschenwürdiges Altern in den eigenen vier Wänden

Aufgrund der politischen Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte müssen althergebrachten Lösungen zur Versorgung unserer Alten und Pflegebedürftigen rigoros auf den Prüfstand und alte Zöpfe abgeschnitten werden. Lobbyisten, die mehr ihre eigenen Interessen als die der ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen im Kopf haben, dürfen nicht länger gesponsert werden.

Bereits heute steuern wir im institutionellen Bereich auf einen Fachkräftemangel zu, der sich schon seit Jahren abzeichnet – nur reagiert hat keiner. Es wird wie immer erst dann eine Reaktion geben, wenn das Haus in Flammen steht. Dabei wäre es sicher ein leichtes gewesen, im Vorfeld durch geeignete Maßnahmen dem entgegenzusteuern z.B. durch Ausbildung und Aufwertung des Berufsbildes – um nur zwei Sachen zu nennen.

Passiert ist so gut wie nichts, sieht man mal von den paar Randbemühungen ab, Ein-Euro-Jobs oder andere Billig-Lösungen zu installieren. Doch meine ich, dass das Arbeitsmarktproblem nicht auf Kosten der Hilfebedürftigen behoben werden darf. Eine weitere Schwierigkeit hat sich dadurch ergeben, dass Deutschland sich durch die Freizügigkeitsbeschränkungen gegenüber den osteuropäischen Mitgliedstaaten ein dickes Eigentor geschossen hat. So habe ich im letzten Jahr einige Personalsuchaufträge von verzweifelt suchenden  Wohlfahrtsverbänden gehabt – ohne Erfolg. Weil die gut ausgebildeten Ärzte und Krankenschwestern bereits in den Ländern untergekommen sind, die diese Beschränkungen nicht gehabt haben.

Völlig prekär sieht die Situation in den Privathaushalten aus. Von den ca 2,2 Millionen Pflegebedürftigen werden ca 1,5 Millionen zu hause von Angehörigen und Pflegediensten versorgt – nicht gezählt die Summe derer, die keine Pflegestufe erhalten habe. Und völlige Konzeptlosigkeit herrscht bei der Versorgung der demenziell erkrankten Personen. Die Hochrechnung der zu erwartenden Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit lässt einen erschauern. In 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf ca 28 Millionen angewachsen sein!! Frau von der Leyen hat schon bei einer Tagung eines CDU – Fachauschusses 2008 in Ihrer Eröffnungsrede (damals war sie noch Familienministerin) davon gesprochen, dass das zu erwartende Szenario um ein weites schlimmer sei als jede Finanzkrise. Keiner hat ihr widersprochen.

Wer alte und kranke Menschen nur als Kostenfaktor sieht, der verachtet sie!

Nach neuesten Angaben der Uni-Klinik Frankfurt und des hessischen Sozialministeriums gibt es in Privathaushalten 200.000 bis 500.000 schwarz beschäftigte Personen aus Osteuropa. Wenn man diese Summe mal in Relation der oben gen. Zahlen betrachtet, scheint es ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Trotz allem verbergen sich hinter jeder einzelnen Zahl hinter jeder Ziffer Schicksale von Menschen, die einfach mit der Versorgung ihrer Angehörigen überfordert und allein gelassen sind. Sie lassen sich auf Schwarzarbeit ein, weil es keine andere Möglichkeit für sie zu geben scheint. Genauso viele Einzelschicksale finden wir natürlich auch bei den schwarz arbeitenden Betreuer/Innen. Mir liegen Berichte vor, die nicht nur wütend machen sondern die danach schreien, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Betreuer/Innen werden vor Nachbarn im Keller und in Gartenhäusern versteckt, sie haben Angst, wenn plötzlich jemand unangemeldet an der Haustür schellt etc. Einfach unvorstellbar und unmenschlich.

Dieser großen Zahl von Schwarzarbeit steht eine erschreckend kleine Zahl von Familien, die sich den vorhandenen legalen Möglichkeiten zugewandt haben – ca 5000 Familien nutzen entweder das Haushaltshilfenmodell der Bundesagentur für Arbeit, die Arbeit mit Selbständigen aufgrund der Niederlassungsfreiheit und der grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung durch Entsendung.

Diese Möglichkeiten haben eines gemeinsam – sie sind alle teurer als Schwarzarbeit. Wie würde wohl die Rechnung aussehen, wenn ähnlich wie in Österreich per Gesetz alle schwarz Beschäftigten in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse überführt werden würden? Je nach Rechenart könnten so bis zu 200 Millionen in die Sozialversicherungssysteme fliessen.  Und was passiert – nichts – siehe oben, das Haus muss erst brennen.

Diejenigen, die die Hilfe am dringendsten nötig haben werden noch zusätzlich diskriminiert – sowohl die deutschen Familien als auch die osteuropäischen Betreuer/Innen.

Das muss aufhören und zwar sofort. Bitte unterstützen Sie dieses Anliegen mit der Unterzeichnung meines Pflegemanifestes, welches Sie unter www.weti.de abrufen und unterzeichnen können. Wählen Sie bei Bedarf einer 24-Stunden-Betreuung eine Agentur, die die gesetzlichen Vorgaben einhält. Seien Sie vorsichtig, wenn eine Agentur ihre Kooperationspartner nicht nennen will.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Weihnachtsmonat, nicht zu viel Einkaufsstress (ich weiß, auch dieses Jahr kommt Weihnachten wieder mal urplötzlich!) und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Pflege, Pflegepersonal, 24-Stundenpflege

Werner Tigges
Dipl.-Soz. Pädagoge und Gestalttherapeut
Familien- und Seniorenberatung GKT-Serwis